Götzenbrucker, Gerit: 609.364 - Einführung in
die Kommunikationswissenschaft, iG-1.2, UE
1999-03-24
1999-04-14
1999-04-21
1999-05-05
1999-05-12
1999-05-19
1999-05-26
1999-06-02
1999-06-09
1999-06-16
1999-06-23
1999-03-24
Alle wesentlichen Folien und andere Dokumente sind im Handapparat
zum Kopieren verfügbar.
| Wissenschaftliches Wissen | Alltagswissen
|
| nicht personengebunden, Trennung von Wissen und Person
| Vertrauen, persönliche Reife |
| immer auf Fortschritt ausgerichtet | Tradition
|
| an Natur- und Geisteswissenschaft orientiert
| "Weisheitswissen" |
| Wissenschaftliche Sprache: nicht mehrdeutig, Bedeutungen genau definiert
| |
| ganz spezifische Ansprüche |
|
| |
Wissenschaftlicher Forschungsprozeß
1. Idee: Thema. Problemstellung
2. Wissenschaftlicher Weg: Methoden
Die wissenschaftliche Arbeit äußert sich letztlich
in einem Produkt: Thesenpapier, Übungsarbeit, Diplomarbeit
usw.
Protokoll: wichtig, um die eigene Tätigkeit nachvollziehbar
zu machen
Referat: Inhalt eines spezifischen Stückes von Literatur
ohne kritische Auseinandersetzung
Bei den Präsentationen wird mehr erwartet.
Ganz gut bei einer Präsentation: Handout, unterstützt
auch die Nachvollziehbarkeit.
Proseminararbeit ca. 10 Seiten.
Sorten wissenschaftlichen Materials
| primär | sekundär
| tertiär |
| gedruckt in Buchform | Bücher
| Verlagskataloge | Nachschlagewerke: Wörterbücher, Lexika, Handbücher usw.
|
| gedruckt, nicht in Buchform | Amtliche Dokumente usw. ohne ISBN: "nicht richtig veröffentlicht"
| Bibliotheksbiographien | |
| einmalig vorhanden | Handschriften, persönliche Dokumente
| | |
Der erste Schritt der Literaturrecherche passiert meist aus Sekundär-
und Tertiärliteratur.
Nominalkatalog: formale Erfassung: Sortierung nach AutorIn
Schlagwortkatalog: inhaltliche Erschließung
Systematischer Katalog: Literatur systematisch zu einem
Themenbereich erfaßt und die Bücher sind nach diesem
System aufgestellt (z.B. Alle Bücher zum Medienrecht stehen
zusammen)
Kreuzkataloge: z.B. "Verzeichnis lieferbarer Bücher":
sowohl Titel als auch AutorInnen alfabetisch aufgelistet
Bibliographie: Zusammenstellung "aller" Werke
zu einem Thema
Amtliche Veröffentlichungen, Gesetzblätter, Veröffentlichungen
vom Statistischen Zentralamt
Fachzeitschriften sind die aktuellste Informationsquelle (außer
Internet: nicht gut zitierbar!)
Zitieren
Direkte Zitate
Unmittelbarkeit: nur selbst gelesene Texte/Passagen dürfen
Ausgangspunkt einer Zitation sein
Genauigkeit: nicht aus dem Zusammenhang reißen, sondern
vollständig darstellen. Auslassungen mit [...] kennzeichen
Zweckentsprechung: umfangreich genug, aber so kurz wie
möglich
Quellennachweis: Fußnote, Klammer usw.
Indirekte Zitate
Wenn längere Gedankengänge zusammengefaßt werden
sollen, ist es besser, sie mit eigenen Worten zusammenzufassen.
Die Quellenangabe ist auch hier notwendig.
1999-04-14
Handout für die Mappe und für Frau Götzenbrucker;
nicht für das ganze Publikum notwendig.
5-6 Seiten "Zwischenarbeit" pro Gruppe, zusätzlich
zum Referat weiterführende Informationen, im Laufe des Semesters
abgeben.
Kategorien der Analyse von Bildungsangeboten nach Bildungsinhalten
und Darbietungsformen
Vielfalt
- Vermittlung von Theorie un dPRaxis
- Veilzahl der Dimensionen/Problemzusammenhänge
- Vielzahl der Lehrangebote
- Vielzahl der Themenschwerpunkte der Lehrangebote
- Fachübergreifende Lehrangebote
- Vielzahl der Lehrenden
Praxisorientierung
- Praxisprojekte im Lehrplan verankert
- Praktische Workshops
- Kooperationen mit PraktikerInnen
- Lehrende aus dem Praxisbereich
- Exkursionen
Aktualität
- Lehrangebote zu Neuen Medien und Technologien
- Internationalität/Globalisierung
- Fremdsprachige Lehrangebote
- Evaluation der Lehrinhalte
Analyse der Literatur zu Kompetenzanforderungen in Kommunikationsberufen
Art des Zugangs:
- wissenschaftlich (Reflexion, Kritik, Innovation)
- praktisch (Verwertungsinteressen)
Art des beschriebenen Berufsfeldes:
- Beschäftigungsverhältnisse usw.
Art der Inhalte:
- Kernkompetenzen und fachübergreifende Kompetenzen
- Berufsethik, Werthaltungen
- Berufliche Verhaltensmuster, Normen
Zusammenhänge präsentieren, nicht Einzelfälle!
Kategorisierung überlegen. In der Proseminararbeit wird dann
der Schwerpunkt gewählt.
Ausbildung in Österreich im Kommunikationsbereich
Innerbetriebliche Ausbildung
- Betriebsinterne Unterweisung (z.B. ORF, Trainee)
- Volontariat (z.B. bei Zeitungen 3 jährige Ausbildung,
"RedaktionsaspirantIn")
- Praktikum (1 Monat bis 1 Jahr)
- Lehre/duale Ausbildung
Betriebsexterne Aus und Weiterbildung (privat und öffentlich)
- Kursangebot öffentlicher Institutionen
- Kursangebot privater Anbieter (z.B. Österreichischer
JournalistInnenkolleg der Österreichischen Medienakademie)
Sekundärer Sektor
graduierte Studien (undergrad., postgraduate)
- Fachhochschule: Mag. FH o. DI FH
- Universitäts- oder Kunsthochschulstudium
- Universitätslehrgang
- Postgraduales Studium (Master, Dr.)
- Internationale Schul- und Studiengänge
Früherer Studienplan PKW
1. Abschnitt: erstes Diplom
2. Abschnitt: Spezialisierungsmöglichkeiten, dann zweites
Diplom.
- Journalismus
- Öffentlichkeitsarbeit
- Werbung
- Medienforschung
- Medienpolitik
3. Abschnitt: Hochschullehrgänge oder Doktoratsstudium
Broschüre vom Wissenschaftsministerium: "Statistische
Daten über Hochschulen"
Die Zahlen des Wissenschaftsministeriums über AbsolventInnen-,
StudentInnenzahlen weichen meist von denen des Instituts ab.
Änderungen ab 2001
- Die Fakultät wird "Human- und Sozialwissenschaften"
heißen.
- Publizistik wird ein Einzelstudium sein (nicht mehr kombinationspflichtig)
- Deswegen müssen fürs eigene Diplomstudium zusätzliche
Themenbereiche erschlossen und am Institut angeboten werden
- Individuelles Diplomstudium kann zusammengestellt werden,
bewilligungspflichtig
- Studieneingangsphase (wegen Personalmangels kaum machbar)
"0-tes Semester"
- Internationalisierung (SOCRATES, ERASMUS usw. seit EU-Beitritt)
- der begonnene Abschnitt kann noch nach dem alten Studienplan
fertigstudiert werden.
1999-04-21
Journalismus in Österreich
JournalistIn ist ein freier Beruf in Österreich; keine gesetzliche
Regelung für die Ausbildung. 80 % haben Matura oder akademische
Ausbildung.
Häufigster Weg in den Journalismus: Ferienvolontariat
Theorie und Journalismus
Trennung von Meinung und Fakten ist in Europa trotz wiederholter
Beteuerungen nicht völlig gegeben.
1999-05-05
Abschlußarbeit
Umfang: 10 Seiten allein oder 20 Seiten (zu zweit). Keine Gruppen
> 3!
Thema: frei wählbar aus den Inhalten der LV.
Einleitung: Kurzdarstellung des Themas
Problemstellung: Besonderheiten der gewählten Thematik, Definition
Forschungsleitende Fragestellungen/Hypothesen/Thesen: Formulierung
der konkreten Fragen
Methode: Gewählte Methode beschreiben, Operationalisierung
Ergebnisdarstellung und Interpretation: Erklärungen
Zusammenfassung und Resümee
Titelblatt, Inhaltsverzeichnis, Richtiges Zitieren, Literaturliste,
Anhang!
1999-05-12
Auswertung der Fragebögen zur Studienmotivation
Studienmotivation: wieso PKW?
Praxisbezug: 16 Nennungen
Unspezifisches Interesse an Medien und Kommunikation: 15 Nennungen
Berufsziele
17 Werbung
14 Journalismus
11 PR
7 Neue Medien
6 Kulturbereich
2 Forschung
Thesen aus einer Studie der Uni Klagenfurt
- Absorptionsthese: Uni als Verweilort
- Segmentationsthese: Leute mit ähnlichem Life-Style wählen
ähnliche Studien
- Anomiethese: Keine klaren Berufsfelder mehr, sondern Überschneidungen
der Bereiche
- These der neuen Klientel: immer mehr Erwerbstätige; immer
mehr "untypische" StudentInnen
- 1996: nur etwas mehr als die Hälfte der StudentInnen
zwischen 18 und 25
Fachkulturen
F1: Karriere-Orientierung: Sozialer Aufstieg, Prestige
F2: Lebensstil-Orientierung: studentische Lebensweise,
vor allem bei Geisteswissenschaftlichen Studien
F3: Reform-Orientierung: Welt verbessern, z.B. Psychologie
F4: Wissenschafts-Orientierung: ohne Verwertungsanspruch,
z.B. Politologie, Theologie
Studienbeschreibung
Thema: Studienmotivation von PKW StudienbeginnerInnen
Erhebungszeitraum: 27. 5. bis 10. 6. 1998
Grundgesamtheit: Erstimmatrikulierte 1996/97 und 1997/98, HauptfachstudienbeginnerInnen
Befragungsgebiet: Wien
Art der Befragung: persönliche Interviews mit standardisiertem
Fragebogen
Stichprobe: Zufallsauswahl (unkontrolliert; Rekrutierung durch
InterviewerIn)
Erreichte Interviews: 205 verwertbare
Fragebogen: Entwicklung im Rahmen der VO 1.2. SS 1998
Organisation der Daten
- Herkunft und soziale Lage von Studierenden
- Universitätszugang und Studienmotivation
- Studienhaltung und Arbeitsperspektiven
Highlights
- Ein Viertel ist berufstätig, mehr als die Hälfte
arbeiten in studienfernen Jobs
- 52 % wissen noch nicht, was sie beruflich nach Studienabschluß
machen wollen
- Bei Motivation, PKW zu studieren, zeigt sich berufliches Interesse
deutlich vor anderen Gründen
- 42 % der PKW-StudienbeginnerInnen sind Spät(Blitz)entscheiderInnen
(um die Matura herum oder kurz vor der Inskription)
Herkunft und soziale Lage
- Alter
- Geschlecht
- Finanzielle Situation
- Wohnsituation
- Wohnort vor Studienbeginn
- Ausbildung des Vaters (Diskussion: Wieso grad der Vater?)
- Wie wird das Studium finanziert?
- Welche Berufe üben Studierende aus?
Segmentationsthese
Die Auswahl erfolgt oft "negativ", z.B. zweites oder
drittes Studium
Kaum familiäre Berufstradition
40 % haben vor dem Studium eine andere Tätigkeit ausgeübt
Neue Klientel, Absorptionsthese
- Offener Studienplan
- Nicht auf Karriere festgelegt
- diffuse Berufsorientierung
- Orientierungslosigkeit
- "neue Klientel"
- alle Befragte außer AHS-Abschluß
- WerkstudentInnen
- Maturatyp
- 61 % AHS
- 12 % Handelsakademie
- 10 % Realgymnasium
- 7 % HTL
1999-05-19
Gründe für Studienabbruch
"Universitätsferne" Klientels sind eher bereit
für deinen Studienabbruch
- interessanter Job
- finanzielle Notwendigkeit
- Interesse am Studium verloren
- gut bezahlter studiennaher Job
- gut bezahlter studienferner Job
"Hast du dir schon dein Berufsziel nach erfolgreichem
Studenabschluß überlegt?"
- 48 % nein
- 23 % Journalismus
- 14 % PR
- 5 % andere
- 4 % Werbung
- 3 % Kulturmanagement
- 3 % Ja, Zusatz für derzeitigen Beruf
"Glaubst du, daß dich das PKW-Studium auf ein angestrebtes
Ziel vorbereitet?"
- 72 % ja, aber Zusatzqualifikation notwendig
- 10 % ja, gute Vorbereitung
- 18 % nein, keine gute Vorbereitung
Einschätzung des Arbeitsmarktes
- 1 % gar keine Schwierigkeiten
- 8 % eher keine Schwierigkeiten
- 37 % weder noch
- 43 % eher große Schwierigkeiten
- 11 % sehr große Schwierigkeiten
Studierende mit konkretem Berufsziel glauben, daß das
Studium ...
- 10 % ja, gute Vorbereitung
- 77 % ja, aber Zusatzqualifikation
- 13 % nein, keine gute Vorbereitung
Segmentationsthese, Anomiethese
Je später sich Studierende für ein Universitätsstudium,
eine spezielle Studienrichtung und eine spezielle Universität
entscheiden, desto labiler ist die allgemeine Studien- und Berufsorientierung.
Eigenschaftstypologie
- Demotivation, "negative" Auswahl
- Eskapismus
"Wurdest du vor Studienbeginn ausreichend über das
PKW-Studium informiert?"
"Von wem/ wo wurdest du informiert?"
- 36 % Studienberatung
- 30 % FreundInnen/Bekannte
- 18 % Studierende
- 16 % Studienmesse
- 14 % Studienrichtungsvertretung
- 6 % ÖH
- 24 % sonstige
"Wer hat dir abgeraten, PKW zu studieren?"
- 54 % FreundInnen und Bekannte
- 29 % Eltern
- 16 % Studierende
- 5 % Studienberatung
- 16 % sonstige
"Mit welchen Argumenten wurde dir abgeraten?"
- 60 % zuwenig Jobaussichten
- 18 % zuwenig Praxisbezug
- 18 % sinnlos
- 35 % sonstiges
"Würdest du PKW auch studieren, wenn es nicht kombinationspflichtig
wäre?"
- 65 % ja
- 17 % nein
- 18 % weiß nicht
StudienanfängerInnen haben folgende Vorstellungen über
das Studium:
- 82 % eigenständige Studiengestaltung
- 18 % straffen Studienplan
Vier Fünftel wollen ihr Studium eigenständig gestalten.
Welche Studienrichtung neben PKW?
- 81 % Nebenfach
- 17 % Fächerkombi
- 2 % weiteres Hauptfach
Fragen zu Beginn des Forschungsprozesses
- Was will ich wissen?
- Für welche Zwecke sollen die Ergebnisse verwendet werden?
(Entscheidungsgrundlage für ein Problem oder Grundlagenforschung?)
- Liegen bereits ähnliche Daten vor?
- Wer soll befragt werden?
- Welche Erhebungsmethode ist der Fragestellung angemessen?
- Wie sollen die Erkenntnisse verwertet bzw. umgesetzt werden?
Von der Problemstellung zur empirischen Untersuchung
Lineares Modell nach Friedrichs 1973
- Problem
- Literaturrecherche
- Präzisierung der Fragestellung
- Theorie/Modell
- Hypothesen (unsere Erwartungen)
- Operationalisierung (Ausarbeitung der Meßverfahren und
Fragetechniken)
- Datenerhebung
- Auswertung
- z.B. Rohzählung (x % sagen dies, das)
- Verifikation/Falsifikation der Hypothesen
- Erklärung
- Theorie - Bestätigung oder anhand der neuen Erkenntnislage
neue Theorien entwickeln
- Erstellung eines Berichts/Präsentation
Hypothesen
- Hypothesen sind Annahmen über die Realität und erklären
, wie die Wirklichkeit aussehen könnte. Sie beziehen sich
auf den derzeitigen Stand der Forschung.
- Forderungen
- Allgemeingültigkeit
- Falsifizierbarkeit an der Erfahrung
- Aussagen müssen logisch verträglich und nicht isoliert
vorhanden sein
- Formulierung in WENN-DANN oder JE-DESTO-Sätzen
- Die Auswahl an Hypothesen hängt vom Interesse und Erfahrungshorizont
des Forschers ab und den rational begründbaren und diskutierbaren
wissenschaftlichen Argumenten
- Die Praxis wissenschaftlicher Erkenntnissuche besteht in einem
fortwährenden Prozeß des Aufstellens, Überprüfens
und der Verbesserung von Hypothesen
- Eine problemlösende Datenanalyse benötigt in jedem
Fall eine wissenschaftliche Fragestellung, eine Hypothese. Nur
univariate, deskriptive Statistiken benötigen keine Hypothese!
Operationalisierung
- 1927 vom Physiker Bridgeman dargestellte Regeln, erst 1945
für die Sozialwissenschaften erweitert
- Unter Operationalisierung versteht mensch die Verknüpfung
von Beriffen mit Sachverhalten. Operationalisierte Begriffe enthalten
Angaben über Vorgehensweisen, mit deren Hilfe entschieden
wird, ob und in welchem Ausmaß der mit dem Begriff bezeichnete
Sachverhalt in der Relaität vorliegt (=theoretische Konzepte
werden auf empirischer Ebene konkretisiert)
- Präzise Operationalisierung bedeutet wiederholbare, überprüfbare
(nachvollziebare) Ergebnisse mit hoher Reliabilität
Probleme bei der Operationalisierung
- Nicht direkt beobachtbare Sachverhalte können nur mit
Hilfe von Indikatoren operationalisiert werden
- Bedeutungsanalyse des zu untersuchenden Begriffs wird vorausgesetzt
- Auch präzise begriffliche Definitionen lassen meist verschiedenartige
Operationalisierungen zu zu.
- Die Art der Operationalisierung entscheidet über Skalierung.
Skalen bestimmen, wie das Merkmal statistisch auszuwerten ist
und somit welche Aussagen gemacht werden können
Indikator
- In der empirischen Sozialforschung versteht mensch unter einem
Indikator ein der Beobachtung zugängliches Merkmal, das mit
einem nicht direkt beobachtbaren Merkmal korreliert
- Ein Indikator ist ein unmittelbar beobachtbares Phänomen,
dessen Wahrnehmung eine Schlußfolgerung auf ein nicht unmittelbar
beobachtbares Phänomen gestattet
- Ein Indikator muß den Anforderungen der Validität
und Reliabilität genügen
Messen
- Messen: Zuordnen von Zahlen zu Objekten, so daß bestimmte
Relationen zwischen den Zahlen analoge Relationen zwischen den
Objekten reflektieren (Sixtl 1987)
- Die Genauigkeit einer Messung hängt von der Eindeutigkeit
der Zordnung, aber auch von der Qualität des verwendeten
Meßinstruments ab
Skala
- Skala: Bereich, innerhalb dessen die Merkmalsausprägungen
schwanken
- Welche Aussagen mit einer Frage gemacht werden sollen, bestimmt
die Art der Skalierung.
- Bieten sich bei einer Fragestellung mehrere Skalenarten an,
sollte diejenige mit dem höchsten Skalenniveau gewählt
werden, weil dann mehr Auswertungsverfahren gültig sind
Skalenniveaus
Für die (Sozial-)Forschung wird gelegentlich das Schulnotensystem
als Intervallskala definiert, obwohl es nur ein Ordinalskala ist.
1999-05-26
Voraussetzungen für die Analyse in SPSS
- der Fragebogen
- Vercodung
- Die Datenmatrix
- Das Datenfile
Friedrichs, 1985: "Die Frage ist das Bindeglied zwischen
den Variablen der Hypothesen und den Antworten."
Noelle Neumann (1965): "Nicht der Interviewer muß schlau
sein, sondern der Fragebogen."
Der Fragebogen
- geschlossene Frage: erschöpfend vorgegebene Antwortmöglichkeiten
- Vorteile
- Steigern die Durchführungs- und Interpretationsobjektivität
- Antworten erfolgen im intendierten Bezugsrahmen
- Jene Aspekte werden erfaßt, die der Forscher bei der
gegebenen Frage für relevant hält
- Befragte haben einen Überblick über mehrere Antwortmöglichkeiten
und können besser entscheiden
- Nicht so große Abhängigkeit vom verbalen Niveau
der Befragten
- Durchführung unkompliziert und billiger
- Gewährleisten, daß der Befragte Punkte nur deshalb
nicht nennt, weil sie ihm nicht einfallen oder er sie nicht formulieren
kann
- eignen sich besonders gut für Telefoninterviews, weil
schnell
- billiger
- Nachteile
- Gefahr der Simplifizierung
- Es werden nur Ergebnisse erfaßt, die mit diesem Kategoriensystem
meßbar sind
- Gefahr der Bevormundung
- Sollen nur dort eingesetzt werden, wo bereits Kenntnisse über
einen Sachverhalt bestehen und eher eine Gewichtung der möglichen
Zusammenhänge vorgenommen werden soll
- Versuchsperson kann raten
- offene Frage: freie Antwortmöglichkeit
- offene Fragen überlassen die Antwortformulierung den
Befragten. Es werden keine Antwortmöglichkeiten vorgegeben.
Z.B. "Was halten Sie von..."
- Anwendung:
- Erfassung von Motiven
- - Werthaltungen
- - Zielsetzungen
- Bestimmung von Bedeutungszusammenhängen (heikel, da Begriffe
oft mehrere Bedeutungen haben können)
- Vorteile
- entsprechen der täglichen Konversation
- engen den Bedeutungsumfang nicht ein
- Aspekte werden berücksichtigt, die die ForscherInnen
nicht berücksichtigt haben
- Gut anwendbar auf verbal höherem Niveau (wenn die Zielgruppe
gut formulieren kann)
- Nachteile
- setzen Voraus, daß der/die Befragte die Begriffe kennt
- Kann verbal überfordern
- Geringere Objektivität
- Durchführung kompliziert (statistische Auswertung: Antworten
müssen kategorisiert und dann wiederum den Kategorien zugeordnet
werden)
- => Teuer
- Fragestrategien
- Art der Formulierung: Direkte vs. indirekte und projektive
Fragen (= mit psychologischen Methoden schwierige Fragestellungen
stellen, z.B. zu Einkommen oder Sexualität)
- Frageformen in Abhängigkeit vom Anlaß
- Einleitungsfragen: häufig offen gestellt
- Übergangsfragen: um von einem Thema zum anderen zu gelangen
- Filterfragen: Geschlossene Frage, bei einer entsprechenden
Auswahl andere Frage überspringen
- Folgefragen: Im Anschluß an einen Filter oder z.B. "Können
sie das begründen?"
- Sondierungsfragen (screening): zu Beginn des Interviews, um
zu entscheiden, ob die Person überhaupt befragt werden soll
Tips und Tricks zum Fragebogen
- Nähe zum täglichen Frage-Antwortspiel
- z.B. einmal offene, einmal geschlossene Frage
- zuerst überblicksmäßig, dann spezifischer
- Kein Dialekt, wo er nicht regional notwendig ist
- Kurze Worte
- Kurze Sätze
- Vermeidung von Fremdworten, wenn nicht Befragung spezieller
Zielgruppen
- Keine doppelten Verneinungen
- Konkrete Worte gegenüber abstrakten Begriffen
- Persönliche gegenüber logischen Formulierungen
- Keine Suggestivfragen
- Keine Doppelinhalte/Implikationen - Eindimensionalität
(ist modern/hat Zukunft)
- Keine Erinnerungsfragen, die Fakten messen sollen
- (vom Thema abhängig, "Wo waren sie vor einem Jahr
in Urlaub?" ist OK, "Was haben sie vor einer Woche im
TV gesehen?" nicht.)
1999-06-02
Datenerhebung
- Erhebungsinstrument und Erhebungssituation
- Anwerbung und Schulung der InterviewerInnen
- Bewertung (Kontrolle) von InterviewerInnen
- Umsetzung des Stichprobenplans/InterviewerInneneinsatz
- Feldsteuerung/Rücklaufkontrolle
- Kontrolle des Fragebogens
Befragung als Kommunikationssituation
- Stellvertretend für den/die ForscherIn werden InterviewerInnen
eingesetzt
- BefragteR ist merkmalstragendes Forschungsobjekt und
Auskunftsperson über diese Merkmale
- Interaktionen zwischen InterviewerIn und Befragten entsprechen
nur bedingt der alltäglichen Gesprächssituation (siehe
Einstellungen, Erfahrungen, ...)
- Problem der Reaktivität: BefragteR reagiert aufgrund
der Anwesenheit der ForscherInnen anders, als bei deren Abwesenheit
- Kommunikation ist ein konstitutives Merkmal der Methode. Welche
Forschungsansätze gibt es, um Reaktivität zu vermeiden
oder zumindest zu reduzieren oder muß Reaktivität in
Kauf genommen werden?
- Welche sozialen Interaktionen sind validen Antworten hinderlich
bzw. förderlich?
Forschungsansätze zur Reaktivität im Interview
- Fragebogenzentrierte Forschungsansätze
- InterviewerInzentrierte Forschungsansätze
- Befragtenzentrierte Forschungsansätze
Das Interview ist eine spezielle soziale Situation: die kommunikative
Beziehung ist asymmetrisch.
Antwortverzerrungen in fragebogenzentrierten Forschungsansätzen
- Zahl und Reihenfolge der Antwortkategorien
- Wortstellung, Wortbetonung
- Wortwahl (Formulierungen) "gun control paradoxon"
(Experiment: "Sollte mensch verbieten, daß..."
"Sollte mensch erlauben, daß...": gravierende
Unterschiede im Antwortverhalten.)
- Länge der Fragen
- Stellung der Fragen im Fragebogen
- Datenerhebung (paper&pencil, CAPI, CATI)
- Maßnahmen gegen reaktive Effekte
- Kritik an fragebogenzentrierten Ansätzen
InterviewerInzentrierte Forschungsansätze
InterviewerIn ist die Quelle der Verzerrungen der Antworten der
Befragten, d.h. Befragte antworten aufgrund der Anwesenheit der
InterviewerInnen anders als wenn diese nicht anwesend wären.
Maßnahmen zur Reduktion von InterviewerInneneffekten
- Interview möglichst einer neutralen Gesprächssituation
anpassen, um zu verhindern, daß InterviewerInnen gegen Verhaltensinstruktionen
verstoßen
- Sensibilisierung der InterviewerInnenn für das Interviewthema
- Probeinterviews
Antwortstile
- Befragte antworten unabhängig vom Inhalt der Frage
- Ja- oder NeinsagerInnen, auf Skalen Extremantworten
- mittlere Kategorie bzw. "weiß nicht" Antworten
- Ja- und Neinsagetendenzen
- Aquieszenz tritt immer dann auf, wenn die Befragten mehrere
Fragen hintereinander mit ja bzw. nein beantworten, auch wenn
diese Fragen sich widersprechen
- Mögliche Bedeutungen von "weiß nicht"
Antworten
- BefragteR ist schlecht informiert oder hat keine Meinung
- Bewertung des Themas indifferent
- implizite Weigerung bei Tabufragen (Grenzen der Privatsphäre)
- BefragteR hat die Frage nicht verstanden (verbal überfordert)
- Einige Maßnahmen zur Vermeidung von "Weiß
nicht", wen keine Meinungslosigkeit vorliegt
- mehr offene Fragen
- Vermeidung einer Antwortkategorie "weiß nicht"
- Ergänzungsfragen nach Kenntnis, Intensität, Relevanz
der abgefragten Einstellungen
- Soziale Erwünschtheit, social desirability
- Befragte geben Antworten, die mit öffentlicher Meinung
im Einklang stehen
- Kooperation und Verweigerung
- Gründe für Kooperation und gegen Verweigerung
- interessanter Zeitvertreib, Langeweile, Einsamkeit
- Menschen kennenlernen
- Einhaltung der Höflichkeitsnormen
- altruistische Motive gegenüber den InterviewerInnen
- Akzeptanz der Sozialforschung zur Lösung wichtiger Probleme
- Gründe für eine Verweigerung bzw. gegen Kooperation
- mangelnde Geschicklichkeit der InterviewerInnen
- Widerstand gegen den Prozeß des Interviewens selbst
- Angst vor mangelnder Anonymität, Unklarheit über
die Verwendung der Daten
- schlechte Erfahrungen in der Vergangenheit
- Desinteresse am Thema
- Maßnahmen zur Erhöhung der Teilnahmebereitschaft
- Terminvereinbarung mit Befragten
- Materielle Anreize
- Begründete Einführungen über Thema, Ziel und
Zweck der Befragung
- Zeitspanne für das Interview angeben
- Anonymitätszusicherung
- Verweis auf Institution
Zur Validität von Umfragen
Validität: gibt an, ob der Fragebogen das Merkmal, das gemessen
werden soll, auch tatsächlich mißt. Validität
bezeichnet den Grad der Übereinstimmung zwischen der operationalen
Definition un der Definition eines Begriffes im theoretischen
Zusammenhang.
- Validität ist geringer, wenn:
- die Sachverhalte von den Befragten schwächer erlebt werden
(z.B. Automarken + Nicht-AutofahrerInnen)
- die Befragten inhaltlich oder verbal überfordert sind
- Tabufragen
- mehrere Personen dem Interview beiwohnen
Reliabilität
Ein Fragebogen ist reliabel (zuverlässig), wenn das zu untersuchende
Merkmal bei wiederholter Untersuchung, unter den gleichen Bedingungen
und in geringem zeitlichen Abstand in gleicher Weise ausgeprägt
ist. Die Reliabilität ist also die Zuverlässigkeit,
mit der ein Fragebogen mißt, ohne Rücksicht darauf,
was inhaltlich gemessen werden soll.
- Reliabilität ist geringer, wenn:
- unterschiedliche Befragungssituation
- längeres Interview
- technische Geräte
- schwierigeres Interview
- weniger Schulung der InterviewerInnen
1999-06-09 InterviewerInneschulung
InterviewerInnenschulung
- Erläuterung der Studie (Zweck der Untersuchung)
- Erläuterungen zum Fragebogen (Filterfragen, Listenvorgabe
usw.)
- Hinweise zur Einführungsformel
- Verhalten der InterviewerInnen (nonverbale Kommunikation und
Aufzeichnung der Antworten)
- Zahl der Interviews pro InterviewerIn, Zahl der Wiederholungsbesuche
pro Adresse, Ablieferungstermin
- Honorare, Fahrtkosten, Ausfallshonorare, Adresse bei Rückfragen
- Gute InterviewerInnen sollten weiters:
- Flexibilität bz. Der Wahl einer aktiven oder passiven
Rolle, je nach Situation
- Mißverständnisse der Befragten bemerken und korrigieren
- zwischen relevanten und irrelevanten Antworten der Befragten
unterscheiden
Interviewen: 5 gesamt, 3 Hauptfach, 2 Nebenfach/Fächerkombi.
Bis 16. 6.
Nicht untereinander interviewen, nicht mehr als einmal die selbe
Person!
Lehrveranstaltungen mit Erstsemestrigen
| 1.2 | Bobrowsky | Do 15
| HS 1 Inst |
| Haas | Mi 11
| HS 1 Inst |
| (usw., Aushang!) | |
| |
| 1.4 | Burkart | Do. 15:30
| AudiMax |
| 1.1 | Gottschlich | Do 9:00
| Uni HS 7 |
| 3.1 | Haas | Mo 17:30
| AudiMax |
| 6.1 | Korn | Mi 14:30
| Uni HS 42 |
1999-06-16
Rücklauf
- Ausschöpfung von Stichproben, die nach dem Zufallsprinzip
gezogen wurden: Ein bestimmter Prozentsatz an erreichten Interviews
wird als ausreichend bezeichnet und als Qualitätskriterium
für die Untersuchung definiert. Die Festlegung des akzeptierten
Prozentwerts erfolgt meist mit Vorwissen aus anderen Untersuchungen.
- Unterscheiden sich die Ausfälle in der Stichprobe in
ihrer Struktur von den Nichtausfällen?
- Könnte dadurch ein systematischer Auswertungsfehler entstehen?
- Wenn Ausfälle einen bestimmten Prozentsatz überschreiten,
kann auch eine hohe Rücklaufquote zu verzerrten Ergebnissen
führen
- Andererseits führt eine niedrige Rücklaufquote nicht
zwangsläufig zu einer Verzerrung
Rücklaufkontrolle
- Einhaltung der Stichprobenvorgaben (=Vergleich mit der Grundgesamtheit),
ev. Nacheinsatz
- Anzahl der erreichten Interviews (=Ausschöpfung)
- Kontrolle des Fragebogens
- Formale Richtigkeit (Screening, Filter, Intervieweranweisungen)
- Vollständigkeit der Antworten
- Plausibilität (Widersprüche im Antwortverhalten
durch Kombination verschiedene Fragen, interviewerspez. Antwortähnlichkeiten)
Ausschöpfungsquote
Interviewte Personen / potentiell interviewbare Personen
Datenverarbeitung
- Entwicklung von Codeanweisungen
- bei geschlossenen Fragen eine Unterscheidung zwischen "weiß
nicht" und "keine Antwort" unterscheiden
- bei offenen Fragen Antworten heruasschreiben und zu Vercodung
heranziehen (Anzahl orientiert sich am erwarteten Anteil der befragten,
die Stellung nehmen)
- Durchführung und Kontrolle des Codings und der Datenerfassung
- Achtung maschinelle Erfassung!
- Bereinigen der Rohdaten
- Gewichtung der Daten
- Darstellung und Analyse der Daten
Gewichtung der Daten
- Randomausfall-Gewichtung
- Umwandlung einer Haushalts- und einer Personenstichprobe (oder
umgekehrt)
- Gewichtung bei disproportionalem Ansatz (z.B. Media Analyse:
In Burgenland mehr Interviews als proportional zur Bevölkerung)
- (Gewichtung nach untersuchungsrelevanten Kriterien)
1999-06-23
Datenauswertung
Beispiel: SPSS
- "Statistical Package for Social Sciences"
- sinnvoll ab ca. 100 Beobachtungen oder bei höherwertigen
statistischen Verfahren
- alle gängigen Statistikprozeduren
- übersichtliche Ergebnisse
- Datentransformation, Datenselektion
- Zusammenführung mehrerer Datenfiles
- Graphiken zu den Auswertungen
- Schnelle Übersicht der Variablen
- Eigene Programmierung statistischer Verfahren
- 1965 von zwei Studenten an der Stanford University entwickelt,
zuerst auf Großrechnern
- seit 1983 auch auf PCs
Trotz einfacher Benutzung ist es wichtig, sich an die Grundlagen
der Statistik zu erinnern!
Voraussetzungen für die Analyse in SPSS
- Der Fragebogen
- Vercodung
- Datenmatrix
- Datenfile
Analyseschritte
- Importieren
- Auswahl einer Prozedur
- Auswahl der Variablen für die Analyse
- Kontrolle und Interpretation der Ergebnisse
Grundschema eines Untersuchungsberichts aus wissenschaftlicher
Sicht
- Problemstellung
- Methode
- Ergebnisse
- Diskussion
- Zusammenfassung
- Bei Diplomarbeit/Dissertation zusätzlich
- Einleitung
- Verzeichnisse: Literatur, Tabellen, Abkürzungen
- Ausblick
- Anhang
- Lebenslauf
Ergebnisse der Studie (bisher, 131 Datensätze)
- Weiter verstärkter Trend zu älteren StudentInnen
- 70 % HauptfachstudentInnen (kein Wunder, da Anweisung 8-))
- Maturatyp: 60 % AHS, 16 % Realgymnasium
Übungsaufgabe
a. Reflexion über Erhebungssituation und des Instrumentes
(1-2 Seiten)
b. Fragen an die auswertende Person / an die Auswertung
mit der Proseminararbeit abgeben
Proseminararbeit
3 Semester Zeit, sie abzugeben, aber besser, bis Ende des Sommers
Zeugnis dazulegen
© Balázs Bárány,
Mag. Gerit Götzenbrucker, Dr. Lieselotte Stalzer. Nicht autorisiert.
zuletzt geändert (JMT): 1999-10-01