HERCZEG Petra
608375 - Einführung in die Kommunikationswissenschaft, iG-1.2, UE
1997-03-19 Einführung, Überblick
1997-04-09 Themen der Arbeiten
1997-04-16 Wissenschaftliches Arbeiten
1997-05-28 Kurzpräsentationen der eigenen Proseminararbeitsfortschritte
1997-06-04 Kurzpräsentationen, Fallstudien, Interviews
1997-06-11 Auswahl der zu befragenden Personen
1997-06-18 Gruppendiskussion, Experiment
Themen:
Grundlagen der Benotung:
Am Ende des Semesters wird eine wissenschaftliche Arbeit abgegeben, die auch formal entsprechend sein soll: Inhaltsverzeichnis; Deckblatt; Einleitung/Problemstellung; Hauptteil: Theoretische Positionierung des Themas, Methoden, Untersuchungsdesign, Begriffsdefinition (Zielgruppe = ...); Schlußfolgerung, Resümee
Parameter für die Beurteilung, ob eine Studie "gut" ist:
Erfahrungen:
Bis zum nächsten Mal eigenen Themenvorschlag abgeben (6-7 Zeilen).
Frauenbild in der Werbung: Vergleich Palmers - Gazelle, empirisch, Fragebogen, Straßenbefragung (Frauenbild? Reaktionen?) Vorgegebener Fragekatalog nötig, um sich an das Schema halten zu können. Befragende Person beeinflußt die Antworten.
Anforderungsprofil eines "modernen" Jugendradiosenders, Zielgruppe 14-18jährige (modern = Anforderungen, Wünsche der Zielgruppe). Stellenwert der neuen Medien?
Reaktionen von Jugendlichen und älteren Menschen auf Product Placement im Fernsehen
Kaisermühlen Blues und Product Placement
Wissenschaftliche Information im Internet finden (empirisch: Selbstbeobachtung, Protokollierung der Ergebnisse)
Einfluß des Fernsehens auf den Tagesablauf der Menschen
Wieweit Kreativität der Kinder durch das Fernsehen eingeschränkt wird
Ansichten, die sich über Afrika durch das Fernsehen verbreiten ("Afrika-Bild in den Medien) (Inhaltsanalyse: was ist berichtet worden? Was ist wie oft vorgekommen? Klischees? Assoziationen => Bilder, die immer wieder kommen => Bildanalyse. Werden Hintergründe, Geschichte usw. angegeben?)
Fußballberichterstattung in Krone und Kurier: Inhaltsanalyse (Aktualitätsvorsprung? Analysen? Fotos? (Welche? Zu welchem Zweck?)
Künstlerisches Schaffen im Internet (Interview mit Künstlerin, aktuelle Kunstwerke)
Soap-Operas: Wieso werden sie angesehen? Vergleich Frauen-Männer. Familienbild? Wunsch nach Harmonie und Ausgeglichenheit?
Magazine, die sich mit Hochkultur beschäftigen: In England existieren mehrere, in Österreich gescheitert.
Zusammenhang Überinformation und Desinteresse (Politikverdrossenheit)
Kommunikationsprobleme durch unterschiedlichen Bildungsstand
Wird Kino vom Publikum noch als Kunstform bzw. als kreatives Schaffen beurteilt, oder als reine Unterhaltung angesehen?
Programmexplosion durch Satelliten: ist das Programm anders geworden?
Alle, die noch kein Thema haben, morgen in die Sprechstunde kommen.
Aufgabe bis zum nächsten Mal: Konzept abgeben.
Wissenschaftliche Arbeit hat viele Ähnlichkeiten mit journalistischer, aber mensch hat keinen Zeitdruck usw.
Schritte der Recherche bis zur Fertigstellung des Endprodukts:
Input: Aussendung, Gerücht, Hinweis, Auffälligkeiten. Eigene Erfahrungen.
1. Vorarbeit
1.1 Abgrenzung
2.1 Dimensionen der Untersuchung: Wertklassen, die den gesamten Untersuchungsgegenstand abdecken sollen, inhaltlich homogen und theoretisch begründbar => Operationalisierung, Meßbarmachung
Beispiel Kurier: Untersuchung erfolgt auf formaler und inhaltlicher Ebene. Formale: Überschriften, Layout, Übersichtlichkeit, Trennung von redaktionellen und nicht redaktionellen Beiträgen, Abmessungen und Anzahl der Bilder, durchschnittliche Wortanzahl usw. Inhaltliche Ebene: Themenverteilung, Schwerpunktsetzung, thematische Zuordnung der Schlagzeile, thematische Zuordnung der Bilder usw.
Operationalisierung: Definitionen für Bericht, Reportage, Kommentar usw. z.B.
Bericht := Ausführlichere Version der Nachricht;
Reportage := Tatsachenorientierte, aber persönlich
gefärbte Berichterstattung über ein Ereignis;
Qualität im Journalismus: z.B. Vorgeschichte (Vorgeschichte
:= Auflistung...), Problemgenese, Hintergründe (Hintergründe
:= Auflistung der für diesen Artikel relevanten Daten und
Fakten ...), Verweis auf andere Stellen (Hinweis auf frühere
Ausgaben usw.), Handlungsmöglichkeiten (Darlegung der Alternativen,
Bewertung der Alternativen), Folgen (Bewertung), Handlungsziele
(vom Handlungsträger intendierte ...), Relation (historische
Vergleiche, logische Qualität: Äquivalenz), Informationsnutzen
(expliziter, impliziter)
Lamnek: Methodologie der qualitativen Sozialforschung 1-2
Kromrey: Methoden der Sozialforschung (Klassiker)
2.1 Dimensionen der Untersuchung
2.2 Thesenform der Untersuchung: Vermutung, die die Ziele der Untersuchung mit einschließt.
2.3 Theoretischer Bezugsrahmen: In welchem theoretischen Zusammenhang stehen meine Theorien, wovon gehe ich aus? Kritik der gegenwärtigen Theorien möglich.
2.4 Zusammenhang zwischen den Dimensionen: Dimensionen sollten so formuliert sein, daß jede für sich dasteht. Die Dimensionen sollten trotzdem oder gerade deswegen miteinander korrespondieren.
2.5 Erstellung eines Hypothesenkatalogs: Formulierung der intra- und interdimensionalen Zusammenhänge (z.B. "Je mehr über AusländerInnen in den Medien berichtet wird, desto stärker manifestieren sich die Vorurteile in der Bevölkerung"). Hypothesen haben starken Vermutungscharakter und werden im Laufe der Untersuchung entweder falsifiziert oder vorläufig für gültig erklärt werden.
2.6 Operationalisierung: Meßbarmachen der Untersuchungsdimensionen, damit sie empirisch überprüft werden können.
2.7 Erstellung eines Kategorienschemas:
2.8 Instrumentarium: hier wird erst festgelegt, welches Instrumentarium für die Erreichung der Forschungsziele nötig ist
3. Erhebung
3.1 Bestimmung des Untersuchungsgegenstandes (z.B. "Untersuchung von österreichischen Tageszeitungen in bezug auf Euro-Berichterstattung")
3.2 Auswahlmodus der Stichprobe ("Alles, was geschrieben wurde", "Alles nach Vranitzkys Abgang", europäischer Vergleich, Fernsehberichterstattung; soziale)
3.3 Pretest, Untersuchungsinstrumentarium nachjustieren: Funktioniert meine Methode? Wenn nicht, müssen neue gesucht werden.
3.4 Erhebung und Verarbeitung der Daten: Erfassung nach Möglichkeit elektronisch, Verarbeitung noch schwierig
3.5 Auswertung, Interpretation der erhobenen Daten: Validierung an den Vorgaben, Schlußfolgerungen, Perspektiven
Qualitative Interviews sind normalerweise Leitfadeninterviews, den Begriff "Tiefeninterview" bitte nicht verwenden!
Am 22. und 29. Mai werden Zwischenberichte der Semesterarbeiten kurz referiert.
Hypothesen: zuerst Arbeitshypothesen.
Lehre von der Frage: Fragen müssen vorher geplant (sollten formuliert) sein. Interessensbereich? Handlungsbereiche?
1. Wie ist die Frage zu formulieren?
2. Welche Art der Antwortvorgaben ist angemessen?
3. Warum wird die Frage gestellt, welchen Sinn hat sie, welcher Zusammenhang mit der Forschung?
Je unpräziser die Frage, desto unpräziser die Antwort. Abstrakte Begriffe sollten auf eine gegenständliche Ebene gebracht werden, damit die Befragten darunter dasselbe verstehen.
Vorschläge: in Fragen nur die 1000 häufigstverwendeten Wörter verwenden.
Fragen enthalten oft mehrere Dimensionen in sich (z.B. "Was haben Sie für Nachbarn?": "Die meisten sind katholisch" "Arbeiter wie wir" "Sehr nett" "Junge Ehepaare"). Solche Fragen sollten vermieden werden.
Offene <=> geschlossene Fragen:
Vor der echten Befragung sollte geübt werden.
Fragetypen:
Interview ist für die meisten Menschen eine ungewöhnliche Situation, das ist von der Reglementierung abhängig. Mensch sollte natürlich weder unsicher noch zu überheblich sein. Schlechter Einstieg kann das ganze Interview verderben.
Fragebogen: sehr viel Vorwissen nötig, da keine Möglichkeit zum Nachfragen besteht.
Bei qualitativen Interviews zwischen inhaltlicher und Beziehungsebene unterscheiden! Zuerst Beziehung zur/m InterviewpartnerIn aufbauen.
Gespräch sollte auf Tonband aufgezeichnet werden, dann wird das Interview transkripiert.
Sich nicht von theoretischen Vorüberlegungen leiten lassen, offen für neue Kategorien, die für die Einzelfälle charakteristisch sind.
Nur jene Textpassagen auswählen, in denen sich die/der InterviewpartnerIn bewußt zum Untersuchungsgegenstand geäußert hat.
Sprechpausen, Wortwiederholungen usw. auch transkripieren, da sie relevant sein können.
Erhebung der konkreten Interviewsituation, gleich nach dem Gespräch anfertigen. Themen: Stimmung, Background (Wohnsituation) usw.
In welcher Art und Weise das Material vorliegt.
Ziel der Zusammenfassung: Grundgerüst, zentrale Aussagen müssen enthalten bleiben: Auslassung, Generalisierung, Konstruktion, Integration, Selektion, Bündelung. Abstrakte Aussagen, die den Originaltext wiedergeben. Paraphrasen werden unter Kategorien subsummiert.
Reduktion: Auswahl der wichtigsten Aussagen.
Beispiel: "Idealtext" mit allen Kategorien erstellen, zusammen auswerten, damit alle unter einer Kategorie dasselbe verstehen (Interkoderreliabilität). "Attributliste": Eigenschaften der Personen. (z.B. "jung, frustiert, ökonomisch orientiert").
Anschauen, welche Aussagen so interessant sind, daß sie zitiert werden können.
Ankerbeispiel: konkrete Textstelle, die klar unter eine Kategorie fällt und diese beschreibt.
Sehr wichtig beim Schreiben von Arbeiten: Konzept! "Roter Faden" muß erkennbar sein.
EinE typischeR VertreterIn der zu untersuchenden Gruppe wird ausgesucht (z.B. eine Person, ein Gemeinde), es wird z.B. in narrativen Interviews die Lebensgeschichte erfaßt.
Aus einem Einzelfall wird eine systematische Untersuchung gemacht und die Umlegbarkeit auf andere Fälle / die Grundgesamtheit überprüft.
Ziel: typische Vorgänge herausarbeiten usw.
Material kann durch alle Methoden der empirischen Sozialforschung gewonnen werden.
Bei qualitativen Untersuchungen sollte die Auswahl der befragten Personen auch theoretisch begründet sein. Die Frage der Repräsentativität spielt in diesem Fall eine untergeordnete Rolle.
(Großer Unterschied in der Zielsetzung der qualitativen und quantitativen Forschung: bei der qualitativen Forschung geht es nicht um die kumulierte Häufigkeit von Handlungsmustern, sondern es wird ein bestimmter Teil der möglichen Handlungen ausgewählt.)
ForscherIn wählt "typische" Personen aus. Dazu müssen natürlich klare Vorstellungen vorhanden sein, und die Personen werden wirklich ausgewählt, die zum Konzept passen. Gut für das Zusammenstellen des Sample sind Statistiken, die über die Verteilung bestimmter Merkmale aussagen. Von der Statistik abweichende Fälle ergeben sich im Laufe des Forschungsprozesses.
Bei qualitativen Interviews sind auch informelle Kontakte sehr wichtig. Trotzdem sollten Bekannte nicht interviewt werden.
Sampling: Aussuchen der forschungsrelevanten Fälle.
Es wird versucht, durch wissenschaftlich-empirische Methoden die Ungewißheit über den zu untersuchenden Objektbereich in eine tendenzielle Gewißheit zu verwandeln (völlige Sicherheit kann nicht erreicht werden).
Häufige Fehler: Diskrepanz zwischen theoretischer und Alltagssprache; für den/die InterviewpartnerIn ungewohnte Umgebung.
Datenerhebung ist nur dann zuverlässig, wenn die Atmosphäre des Interviews tolerant und sanktionsfrei sein (Anonymität garantieren!).
Wichtige Zusatzinformationen, die festgehalten werden müssen: z.B. Interviewverweigerung (Gründe!); Familienhintergrund/zusammensetzung
Diese Methode war früher theoretisch nicht gut abgesichert, so wie die qualitative Forschung überhaupt. Auch heute besteht eine große Diskrepanz zwischen der "kommerziellen" und der wissenschaftlichen Anwendung.
Was mensch herausholen will, muß vorher bekannt sein. Die Zahl der Teilnehmenden sollte 12 nicht übersteigen.
Die Gruppendiskussion ist eine spezielle Form des Gruppeninterviews.
Das Interesse gilt nicht nur den Äußerungen, sondern auch den Kommunikationsbedingungen, sozialen Positionen der Handelnden usw.
Ein großer Vorteil der Methode ist, daß sie kostengünstiger und weniger arbeitsintensiv ist als z.B. Einzelinterviews wären. Es gibt auch Themen (z.B. Wie sollte eine ideale Fernsehsendung aussehen?), die sich in Einzelinterviews nicht so gut behandeln lassen.
Es muß ein "Grundreiz" gegeben sein, damit die Teilnehmenden zu diskutieren anfangen.
Einsatzmöglichkeiten: Innerbetriebliche Kommunikation (z.B. ManagerInnenseminare); Wissenschaft (selten, wieder zunehmend); kommerzielle Forschung (Werbung, Beurteilung von Pilotsendungen)
Definition: Gespräch einer Gruppe bewußt ausgewählter Personen unter Laborbedingungen über ein bestimmtes Thema.
Ziele: Ermittlung von Einstellungen der einzelnen Gruppenmitglieder; Meinungen der ganzen Gruppe (Gruppenkonformität); öffentliche Meinung; Erforschung gruppenspezifischer Verhaltensweisen.
Vor allem in der Psychologie angewendet, kein besonders großer Stellenwert in der Kommunikationswissenschaft.
Das qualitative Experiment ist zwischen den Alltagsmethoden und dem quantitativen Experiment angesiedelt. ForscherIn handelt aktiv. Es geht nicht um Quantifizierung, Kausalitätsprüfung und Reproduzierbarkeit.
Beispiel: Gedankenexperiment "Stellen Sie sich vor, Sie wären RichterIn in einem Land, das die Todesstrafe erlaubt. Wie würden sie damit umgehen?"
Qualitatives Experiment: Meist Rollenspiel; Suchen und Erforschen von extremen Situationen, Einstellungen und Handlungsweisen.
Vor allem in Ethnologie und Soziologie eingesetzt. Großes Problem: Anwesenheit der ForscherInnen, dadurch potentiell Verfälschung der Realität.
Beobachtung ist immer mit anderen Methoden gekoppelt. Sie wird eingesetzt, wenn es Neuland zu Betreten gibt oder bei schwer erschließbaren Problemfeldern. Zweck: mit wissenschaftlichen Mitteln Fremde zu verstehen, Bestandsaufnahme.
Unterschied zum alltäglichen Verstehen: Es wird analytisch vorgegangen, Vorverständnis nötig.
Begrenzungen: örtlich, zeitlich, durch den Gegenstand.