Einführung in die Methoden der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft
VITOUCH Peter iG-1.3, VO/UE, 609001
1996-10-11 Einführung, Überblick
1996-10-18 Grundbegriffe
1996-10-25 Einteilung der Methoden
1996-11-08 Hypothesen, Experimente
1996-11-22 Experimente: Labor-, Feldexperiment, Validität, Aufbau von Versuchsgruppen
1996-11-29 Experimente, Konfundierung
1996-12-06 "Richtige" Experimente, Milgram-Experiment
1996-12-13 Untersuchungen über einen Zeitraum, Stichproben
1997-01-10 Stichproben, -fehler
1997-01-17 Repräsentative Stichprobe; Inhaltsanalyse
1997-01-24 Inhaltsanalyse
1997-03-06 Prüfung (2. Termin)
Literatur: (Aus Aktualitätsgründen kein Skriptum)
Montag, 14.10. 20:00: Erstsemestrigentutorium NIG HS 1
| Zahl der Kommunikationspartner | |||
| Kommunikationsmodus | Individualkommunikation | Gruppenkommunikation | Massenkommunikation |
| face-to-face Kommunikation | Beratungsgespräche, Interviews | Diskussionsgruppen, Seminare, Lehrgespräche | Ansprachen, Reden, Vorträge |
| mediale Kommunikation | Telefongespräche, eMail | Video- oder Audiokonferenzen | TV- und Rundfunksendungen, Zeitungsartikel |
nonverbale Aspekte auch von sehr großer Bedeutung!
Hypothese: bei nicht-face-to-face-Kommunikation ist man risikofreudiger!
Empirische Sozialforschung: systematische Erfassung und Deutung der sozialen Tatbestände. Meßmethoden und -instrumente müssen manchmal an die Fragestellung angepaßt werden. Theoriengestützte Ansätze und hypothetische Vermutungen für Erkenntnisinteresse nötig, sie müssen auch mit bestimmten Methoden verifizierbar oder falsifizierbar sein. Sie müssen sich in einem größeren Zusammenhang mit der Wahrscheinlichkeit befinden. Die Statistik sagt über den Einzelfall nichts aus!
Regeln sind für empirische Wissenschaft nötig, aber sie können die Wahrnehmung einengen. Regeln müssen dazu dienen, die Werkzeuge und Methoden zu beschreiben, wie die Erkenntnisse zustande gekommen sind, um Untersuchungen reproduzierbar zu machen.
Popper: Sozialwissenschaftliche Thesen können nicht wirklich bewiesen werden, Falsifizierung sei jedoch möglich. Sozialwissenschaften arbeiten mit Irrtumswahrscheinlichkeiten oder Signifikanzen.
Erfassung von sozialen Wirklichkeiten muß theoriebezogen sein. Es geht nicht, Phänomene zu zählen oder zu messen. (z.B. Artikel in der Kronen-Zeitung zählen und sehen, was rauskommt)
Empirizismus: Zählen und Messen ohne Theorie.
Es muß ein Ausgleich zwischen den Strategien gefunden werden, um möglichst alle Möglichkeiten auszuschöpfen.
Qualitative Methode: Neue Erkenntnisse, Ideen, Denkanstöße auf Gebieten, die noch nicht sehr viele Ergebnisse hervorgebracht haben.
Quantitative Verfahren: Zusammenhänge oder Hypothesen können besser bewiesen/widerlegt werden. Vergleichbarkeit und Objektivierbarkeit in einem höheren Ausmaß gegeben.
Induktive Methoden: aus dem Einzelnen auf das Allgemeine schließen. (Brillenträger sind intelligent?) (induktives Paradoxon: es gibt keine vollständig objektive Schlüsse)
Deduktive Methoden: Aus einer beobachteten Allgemeinheit
werden Schlüsse gezogen (z.B. viele Raucher haben Lungenprobleme)
Hermeneutik: Deutende, verstehende, interpretierende Herangehensweise (z.B. Deutung religiöser Schriften). Bedeutungsstrukturen können ermittelt werden. Problem: Komme ich mit dieser Methode über das Erklären hinaus? Schwer, allgemeingültige Aussagen zu finden. (Subjektivität, Gefühle) Besser für das Verstehen von menschlichen Eigenschaften, Handlungsweisen. Popper: "Es gibt keine Beobachtungen, die frei von Theorien sind". (Öwermann: "Habe die objektive Hermeneutik erfunden": Alle möglichen in einem Text enthaltenen Elemente im Team auffinden und systematisch ordnen => Analyse einer vierzeiligen Kontaktanzeige hat 20 Druckseiten Interpretation produziert).
Phänomenologie: Es wird gefordert, daß mensch durch objektive Erkenntnis das Wesen einer Sache erfaßt, wobei die untersuchten Erscheinungen so betrachtet werden, wie sie sind und nicht wie sie aufgrund von Vorkenntnissen und Theorien erscheinen. Dazu ist ein Subjekt nötig, das fähig ist, eine völlig objektive Weltanschauung zu entwickeln.
| Quantitativ | Qualitativ |
| Deduktiv | Induktiv |
| Hypothesen prüfend | Hypothesen generierend |
| (kann eigentlich nichts Neues bringen) | (führt zu neuen Aspekten, die aber nicht zweifelsfrei sind) |
| Erklären (Anwenden des eigenen Modells, um die Welt zu beschreiben) | Verstehen, Interpretieren (eher subjektiv) (Verstehen ist die Rekonstruktion, wie eine andere Person die Tatsachen mit Regeln verknüpft) |
| Messen, Zählen | Beschreiben |
| Stichprobe | Einzelfall |
| Naturwissenschaftlich | Geisteswissenschaftlich |
| Labor | Feld (Originalumgebung) |
| Experiment (natürliche Situation wird verändert, um Störfaktoren auszuschalten) | Beobachtung |
Es gibt keine richtigen und falschen Methoden! Es gibt immer fließende Übergänge, z.B. kann auch im Labor qualitativ geforscht werden.
Ist Erklären ohne Verstehen überhaupt nötig? Wirkliches Verstehen ist nur dann möglich, wenn die aufnehmende Person sich in das Alltagsverständnis der beobachteten Akteure einfügt. Für das Verständnis spezieller Probleme sind spezielle, eigens entwickelte Hypothesen (= Erklärungen) nötig. (Erklärung ist also die nächste Stufe)
Verstehen: mensch versucht, die Zusammenhänge aus der Lage dieser Person zu beobachten.
Hypothesentheorie der sozialen Wahrnehmung: versucht zu erklären, wie die soziale Wahrnehmung zustandekommt. Vorkenntnisse, -urteile beeinflussen die Wahrnehmung, sodaß es zu einem selektiven Wahrnehmungsprozeß kommt. (Inferenzschluß) Gut gelernte Hypothesen führen dazu, daß diesen widersprechende Hypothesen schnell aussortiert werden, und es ist ein völlig überhöhter Aufwand nötig, um diese neuen Hypothesen akzeptabel zu machen.
Hypothesen: formulierte Vermutungen, Ansätze im Forschungsbereich, die dazu führen, daß Zusammenhänge zwischen Variablen erklärt werden könnten. Variablen sind das Symbol für verschiedene Merkmalsausprägungen. (Manche Variablen sind natürlich, manche müssen abgeleitet werden)
Ansprüche an Hypothesen:
George Gerbner: Erforschung von Gewalt in Massenmedien: Erstellung von Gewaltprofilen für verschiedene Fernsehsender: Programm eine Zeit lang beobachtet und quantitativ erforscht. Vielseher und Wenigseher wurden verglichen, um die längerfristige Wirkung von Fernsehprogrammen zu erkennen. Feststellungen: Ängstlichkeit bei Vielsehern stärker ausgeprägt. Das hat zur "Kultivierungshypothese" geführt: Fernsehprogramm verändert die Zuseher, viel Fernsehen führt zur Ängstlichkeit. Probleme mit diesem Ergebnis: Die Variablen kovariieren in einer bestimmten Weise, es könnte auch so sein, daß ängstlichere, unsichere Menschen eher viel Fernsehen (Eskapistisches Modell, Fluchtmodell). Kausalität nicht eindeutig bestimmbar. In diesem Fall wurden die Daten überinterpretiert. Korrelation bedeutet nicht immer Kausalität, vor allem nicht in Sozialwissenschaften. Es gibt sogenannte vermittelnde Variablen, die die anderen Variablen modifizieren, z.B. Luftfeuchtigkeit beeinflußt Schwitzen auch bei gleicher Temperatur.
Korrelation: zwei oder mehrere (quantifizierte) Variablen kovariieren in bestimmter Weise. Korrelationsquotient liegt immer zwischen 1 und -1. Positive Korrelation: X wächst, Y wächst. Negative Korrelation: X wächst, Y fällt. Signifikante Korrelation: überzufällige Korrelation. Bei Sozialwissenschaften liegen Korrelationen 0,2 bis ca. 0,8. Wie aussagekräftig ist eine Korrelation: Korrelationsquotient wird quadriert. Kleine Korrelationen werden dadurch viel kleiner.
Wie kommen wir darauf, ob es kausale Zusammenhänge gibt?
Soziales Experiment - Grundbedingungen:
Im Experiment müssen unabhängige (UV, kann vom Experimentator verändert werden) und abhängige (AV) Variablen definiert werden. Dadurch können Kausalitäten besser erfaßt werden.
Experimente sind in den Sozialwissenschaften durch Versuchsgruppen (und Kontrollgruppen) gekennzeichnet.
Beispiel:
M1-T->M2: Pretest - Posttest. Problem: Ist das Training wirklich ausschlaggebend? Meßmethode könnte bereits bekannt sein: Erste Messung verändert die zweite.
Lösung: zusätzlich M1->M2: Eine Kontrollgruppe ohne Training.
Feldexperiment: Experiment nicht im Labor, sondern im ursprünglichen Lebensbereich der beobachteten Menschen. Trotzdem wird die Lebensweise der Menschen verändert, sodaß Störvariablen hereinkommen.
Miniaturanalogien: Eine Untersuchung wird auf eine nicht untersuchbare Fragestellung angewendet. (z.B. Untersuchung von Verhalten im Krieg)
Validität: Gültigkeit der Ergebnisse. (Messe ich das, was ich messen will? Sind die Ergebnisse gültig für das Beobachtete?)
Beispiel: Bewerber für den Posten eines Autobuschauffeurs aussuchen. Kriterien: Fahrtest, Umgangsformen, psychische Belastbarkeit usw. Wenn mensch nur den Fahrtest durchführt, könnte passieren, daß die Leute nicht geeignet sind: Verfahren ist für das Kriterium, ein guter Autobuschauffeur zu sein, nicht valide.
| Die Veränderung der abhängigen Variable kann eindeutig auf die Veränderung der unabhängigen zurückgeführt werden: kaum Störvariablen vorhanden. | Erlaubt mir, die Untersuchungsergebnisse zu verallgemeinern, zu generalisieren. |
|
|
| Künstliche Situation, alle Störvariablen werden ausgeschaltet, nur die bekannten abhängigen und unabhängigen Variablen bleiben. | Lebenssituation der Menschen soll möglichst unverändert gelassen werden, nur eine Variable wird verändert (z.B. Fernsehkonsum). |
| "Moderatorvariablen": vermittelnde Variablen sind für das Ergebnis entscheidend, und nicht die untersuchten abhängigen Variablen. |
Wenn die externe Validität höher ist, wird die interne kleiner sein und umgekehrt!
Aufteilung in Versuchs- und Kontrollgruppen: (ideal wäre Randomisierung) Wenn vorherbestimmte (präformierte, nicht dem Zufall nachgebildete) Gruppen existieren, kann nur ein "Quasi-Experiment" durchgeführt werden. Das muß nicht bedeuten, daß die Ergebnisse nicht verwertbar sind, nur sind sie mit Vorsicht zu genießen.
Beispiel: Untersuchung, wie demokratischer und autoritärer Unterricht auf die SchülerInnen wirken. Dazu werden LehrerInnen beobachtet und nach diesen Kriterien eingeteilt. Dann wird der Unterrichtserfolg beobachtet.
Beispiel: Alkohol am Steuer. Experiment paßt sehr gut. Versuchsgruppen bekommen unterschiedliche Mengen Alkohols (vielleicht zusätzlich Blutuntersuchung zur genauen Bestimmung der Promillen). Wie kommen wir zu Versuchsgruppen? Wenn die Gruppen nicht zufällig verteilt werden, sind sie auch in anderen Punkten unterschiedlich. (Eine natürliche Gruppe ist aus gewissen Gründen so beschaffen.) In diesem Fall ist weder eine externe noch eine interne Validität gegeben.
Bei Randomisierung werden die Störvariablen (die in vielen Fällen gar nicht identifiziert werden können) gegen Null gebracht, weil sie in jeder Gruppe ca. gleich vorkommen.
Beispiel: Erzielen Leute im Krankenhaus in Einbettzimmern oder in Mehrbettzimmern bessere Heilungsergebnisse? Quasi-Experiment, weil Gruppen präformiert (aus sozialen Gründen). Andere Kriterien: In Einbettzimmern sind auch andere Bedingungen vorhanden. Es gibt auch hier Störvariablen (Verhalten der Ärzte, Alter: junge in Mehrbettzimmern werden trotzdem schneller gesund, wohlhabende Leute achten mehr auf ihre Gesundheit, sind motivierter usw.).
Konsequenz: Es ist immer sehr wichtig, Störvariablen zu untersuchen, besonders bei präformierten Gruppen!
Gelegenheitsstichprobe <> repräsentative Stichprobe!
Replikation von Untersuchungen: die gleiche Untersuchung mit anderer Stichprobenzusammensetzung wiederholen, z.B. nicht mehr mit StudentInnen, sondern mit PensionistInnen. Wenn sich das Ergebnis nicht ändert, kann mensch davon ausgehen, daß die Frage auf die ganze Bevölkerung anwendbar ist.
Ethikkommission: Versuchspläne müssen eingereicht werden, und es wird beurteilt, ob die Umstände des Experiments ethisch vertretbar sind.
| Experimentell | Quasiexperimentell | |
| Feld | Hohe externe Validität Hohe interne Validität Beispiel 1 | Hohe externe Validität Geringe interne Validität Beispiel 2 |
| Labor | Geringe externe Validität Hohe interne Validität Beispiel 3 | Geringe externe Validität Geringe interne Validität Beispiel 4 |
Beispiel 1: Beeinflußt die politische Blattlinie von Zeitungen die Überzeugung der Leser? Ansatz: zwei Zeitungen mit unterschiedlicher Linie zufällig ausgewählten Leuten geben. Vorher-Nachher-Messung. Allerdings sollten die Leute nicht wissen, daß es ein Experiment ist. Bei Voruntersuchung kommt der Fehler hinein, daß die Leute die Fragestellung kennen.
Beispiel 2: In Schulklassen gehen und untersuchen, wie die SchülerInnen auf verschiedene Erziehungsstile reagieren. Präformierte Gruppen vorhanden.
Beispiel 3: Untersuchung über Gewalt in Medien: In Kindergärten wurden Kinder zufällig ausgewählt und gruppenweise mit verschiedenen Videos konfrontiert. (Clownpuppe wurde entweder normal oder brutal behandelt, dritte Gruppe hat überhaupt keine Videos gesehen.) Dann wurden die Kinder beim Spielen unauffällig beobachtet. Fragestellung: Sind Kinder, die Gewaltmodell ausgesetzt werden, nachher aggressiver? Schluß: Imitationshypothese: Medien können Anstöße zur Aggression geben. Probleme: Keine Aussagen über Erwachsene möglich. Es ist nicht erkennbar, wie lange die Wirkung anhält. Es handelte sich um den selben Kindergarten und um das eigene Spielzeug; in den Medien wird jedoch Gewalt nicht in der Umgebung der ZuseherInnen gezeigt (deswegen ist Aktenzeichen XY gefährlicher als ein brutaler Thriller).
Beispiel 4: Präformierte Versuchsgruppen im Labor. Z.B. wurde die Fingerfertigkeit von Buben und Mädchen untersucht.
Artefakte = Quellen der Konfundierung: Bei Experimenten wird mit Menschen, die eine eigene Meinung haben und auch während des Experiments denken, gearbeitet. (Im Behaviorismus wurden deswegen hauptsächlich Tierexperimente angewendet.) Artefakt heißt, daß es Zusammenhänge gibt, die zur Störung der Ergebnisse führen; Konfundierung: Störung durch Experimentleitende.
Versuchsleitereffekte: Versuchsleiter versucht, seine Hypothesen zu bestätigen. Selektive Wahrnehmung. Gegenstrategien: Klare Versuchsanordnung, mehrere Versuchsleiter. "Doppelblindexperiment": Auch Versuchsleiter, die mit den Leuten arbeiten, wissen nicht, was erforscht wird.
Empfehlenswert bei Untersuchungen: "naive", unwissende Versuchspersonen verwenden. Dies ist jedoch manchmal schwer zu erreichen. Beispiele: 1. Untersuchung in den USA in den 70erjahren: Weiße und Schwarze mit "Black Panther"-Aufklebern wurden von unwissenden Polizisten öfter angehalten und bestraft. 2. "Technik der verlorenen Briefe": adressierte und frankierte Briefe wurden willentlich verloren, also ausgestreut. Es wurde untersucht, wie viele Briefe tatsächlich ankommen. Es wurde angenommen, daß sympathischere Organisationen mehr Briefe zurückbekommen. Das Ergebnis basiert nicht auf self-report-Daten, weil die Leute nicht wissen, daß sie evaluiert werden.
Vorgangsweisen bei Diplomarbeiten: 1. Schüler, die mit Spiegeln vor ihnen Schularbeiten schrieben, haben weniger geschummelt. 2. Zeitungstaschen, die sonntags rumhängen: Spiegelfolien wurden auf den Taschen angebracht, die Leute, die vor der Tasche standen, sahen sich selbst. In diesen Kassen befand sich etwas mehr Geld. 3. "Gelernte Hilflosigkeit" und ihre Auswirkungen auf den Medienkonsum: Es ist möglich, Fragen zu stellen, die nicht lösbar sind, aber nicht leicht durchschaut werden können. ("Ich weiß nicht, wieso Sie damit Probleme haben, bis jetzt haben es alle lösen können") Einer Gruppe wurden solche Fragen gestellt, anderen normale. Zwischen den Aufgaben wurden Werbeblöcke gespielt, angeblich als Entspannung. Die Leute wurden später über die Werbespots gefragt, und nicht über die Aufgaben. Leute, die ein Selbständigkeitstraining gemacht haben, konnten sich besser an die Spots erinnern, als die mit gelernter Hilflosigkeit.
Vorteile: naive Versuchspersonen, extrem gut quantifizierbar, überzufällig, auch regional usw. gut verteilbar.
Experiment von Stanley Milgram: Untersuchung über menschliche Konformität (= Willfährigkeit)
Fragestellung: Wie konnte es passieren, daß durchschnittliche, normale (und nicht psychisch kranke) Menschen in Nazi-Deutschland extreme Greueltaten begangen haben?
Frage: was passiert, wenn Menschen einem Konformitätsdruck ausgesetzt werden? Bis zu welcher Grenze gehen sie? Es wurden Versuchspaare gebildet, eine Person wußte Bescheid, war Komplize des Versuchsleiters. Zwischen den Personen wurde "ausgelost", wer Trainer und wer Auszubildender ist. Naive Versuchsperson war immer Trainer. Lernende Person mußte Aufgaben lösen, wurde bei Falschantworten durch Elektroschocks (15 bis 450 Volt) bestraft. Die Schocks wurden nicht wirklich verabreicht, das glaubten nur die naiven Versuchspersonen. Die "bestraften" Personen, die räumlich abgetrennt waren, haben simulierte Schmerzensschreie abgegeben. Die meisten Versuchspersonen wollten das Experiment abbrechen, der Versuchsleiter hat nur moralischen Druck mit seiner Autorität ausgeübt, z.B. "Sie dürfen das Experiment nicht kaputtmachen, es ist Ihre Pflicht...". Das schockierende Ergebnis war, daß 75 % der ersten Gruppe (40 Personen) bis zum höchsten (tödlichen) Schockniveau gingen. Sie haben zwar geschwitzt, waren den Tränen nahe usw. und hatten nachher schwerste moralische Probleme, haben jedoch das Experiment bis zum Ende geführt.
Die Versuchspersonen wurden auf soziale Schicht, Persönlichkeit usw. untersucht. Die gehorsamen Personen lagen im normalen, durchschnittlichen Persönlichkeitsbereich. Personen, die autoritär erzogen wurden und sich so verhielten, waren etwas gehorsamer. Es hat keine Unterschiede in Bezug auf Alter und Beruf gegeben.
Es wurden verschiedene Variablen geändert, z.B. die Person und das Image des Versuchsleiters; Entfernung und audiovisueller Kontakt zum Opfer.
Untersuchungsformen, die unterschiedliche Zeitabläufe inkludieren: Untersuchungen von Alterskohorten (Kohorten sind Gruppierungen, die in einer Variablen übereinstimmen)
Alter der Versuchspersonen
| 25 | Querschnittstudie | Längsschnittstudie | |
| 20 | | | ||
| 15 | | | / | |
| 10 |
|
| Sequenzstudie |
| 1980 | 1985 | 1990 |
Probleme: z.B. Epochale Ereignisse, die bestimmte Alterskohorten erlebt haben und andere nicht.
Repräsentative vs. zufällige Stichprobe:
(Gesamt/Vollerhebung: Alle Personen der zu untersuchenden Gruppe untersuchen: kaum praktikabel)
Systematische Fehler: wichtige Punkte wurden vergessen oder bewußt verschwiegen. Präformierte Gruppen, nicht antwortende Personen, self-report-Daten usw.
Stichprobenfehler (können nicht vermieden werden): meistens statistisch berechenbar:
Benötigte Stichprobengröße, wenn die Population >= 500.000 ist:
| Konfidenzintervall (+/- Stichprobenwert) |
||
Auftretensgröße, -rate: je näher das zu erwartende Auftreten eines Ergebnisses (z.B. Partei) an 50 % ist, desto größere Stichprobe ist nötig.
Benötigte Stichprobengröße bei einem Konfidenzintervall von +/- 5 Prozent und einem Konfidenzniveau von 0,95:
| Größe der Population | ||
(kommt aus der Bibelinterpretation, folgt dem hermeneutischen Ansatz)
Probleme:
Anspruch der objektiven Inhaltsanalyse: Verfahren entwickeln, das erlaubt, die Texte objektiv und nachvollziehbar zu interpretieren.
Analysiert werden können sämtliche Aufzeichnungen über Ereignisse (Film, Texte, Nachrichtensendungen, ...) sowie die formalen Darstellungsweisen, mit denen die Inhalte transportiert werden.
Inferenzielle Inhaltsanalyse (= weiterführende Schlüsse): darauf ausgerichtet, die Information, die vermittelt wird, in Relation zu den sozialen Interaktionen zu stellen.
Beschäftigungsmöglichkeiten:
Funktionen der Inhaltsanalyse:
Externe Validierungskriterien für die Inhaltsanalyse notwendig: z.B. Analyse von Streit in Partnerschaften => Untersuchung der gemeinsamen "Geschichte" der Paare => daraus ist im Idealfall ein Voraussagekriterium z.B. über die Länge der Partnerschaft ableitbar.
Entwicklung der Kategorien für Inhaltsanalyse (Wichtig):
Bedingungen, die die Kategorien erfüllen müssen:
z.B. Analyse des Bildes der Frau in deutschen Schulbüchern 50-er und 80-er Jahre:
mögliche Kategorien:
Ablauf:
Wichtig: Vorhypothesen, Struktur, da mehrere gleichartige Interviews geführt und miteinander verglichen werden müssen.
Formen der Befragung: