Bobrowsky, Manfred
607014 - Grundprobleme der journalistischen Vermittlung: Printmedien, iG.3.2, UE
1997-10-15 Einführung
Die Übung basiert auf Vorträgen der Studierenden zu verschiedenen Themenbereichen, die unter Printmedien fallen. Zum Vortrag soll ein Hand-out für alle 50 Studierende mitgeliefert werden (mit Quellen!), damit im Laufe der Vorlesung für alle eine "Mappe" entsteht.
Die angegebene Kapazität von 50 Studierenden ist genau zu beachten, ohne Anmeldung sollte mensch auch zum ersten Termin nicht gehen!
Pressetexte im Internet - www.pressetext.at
Bei jedem Vortrag im Hinterkopf behalten: Es gibt nur drei Medien in Österreich, die bestimmend sind: ORF, Kronen Zeitung, News.
Mensch sollte regelmäßig ins Café gehen, um Zeitung zu lesen.
Geschwindigkeit der Medien: (Teletext,) (Internet,) Radio, Fernsehen, ..., Tageszeitung
1. Übung (bis zum 5. 11. abgeben): Der österreichische Presserat - Gewissen des Journalismus - ein Kommentar. Dazuschreiben, für welche Zeitung. (Der Presserat kann Verstöße gegen die journalistische Ethik feststellen und ermahnen, aber nicht strafen. Siehe "Der österreichische Journalist". (sollte abonniert werden)) Zeigen, daß mensch die Medien verfolgt. (Vielleicht: elektronische Zeitungen; wo sitzt die Redaktion, wer hat es geschrieben)
2. Übung (bis 12. 11.): Journalistische Fehlleistungen - Verstöße gegen die Bestimmungen des österreichischen Presserates: einige Beispiele. (Aus Zeitung herausschneiden, kopieren)
3. Übung: (3. 12.) Quellensuche anhand von Zeitungsmeldungen (Zeitungsenten-, Grubenhundgefahr) Ist die Zeitung seriös, ist gekennzeichnet, wo die Information herkommt? (wieder ausschneiden, fünf Beispiele)
4. Übung: Originalmeldungen der APA als "Wahrheit"
annehmen, Vergleich mit Tageszeitungsberichten an den folgenden
Tagen, anschauen, wie sehr die Meldungen verändert werden.
Die Richtlinien des Presserates gibt es in "Heinz Pürer: Praktischer Journalismus". In der Bibliothek sollte es eine Mappe "3.2 BO" geben.
"Gerhard Ruiss: Handbuch für Autoren und Journalisten"
"Claudia Mast: ABC des Journalismus - ein Leitfaden für die Redaktionsarbeit"
Es gibt ein Buch "Der österreichische Presserat" von Felix Gamelschek.
In Zukunft werden die Datenbanken des Instituts über das WWW zur Verfügung stehen.
Dafür ist notwendig, daß die verwendete Literatur per E-Mail oder Diskette an Dr. Bobrowsky weitergegeben wird. Format: Mit Tabulatoren getrennt:
Zuname=>Vorname=>Titel=>Ort, ErscheinungsjahrAuflage=>Verlag
Projekt Wiener Lokaljournalisten: ABC des Journalismus
Ulrich Sasser (oder so): Macht von Medien - Medien durch Macht Hamburg, 1993
Handouts sollten erst nach dem Referat ausgeteilt werden, damit die Aufmerksamkeit des Publikums nicht vom Referat abgezogen wird
Anfang des 19. Jahrhunderts gab es erstmals fest angestellte JournalistInnen. Diese waren damals oft PolitikerInnen. (Heute definieren sich JournalistInnen eher als KritikerIn.)
Drei Wege zum Journalismus: Studium; Lehrgang; einfach einsteigen.
Enorme Verbesserungen durch neue Technologien: Textverarbeitung, Online-Recherche.
Studie nach Umstellung auf die neue Technik: Vorteile: Arbeitserleichterung, Aktualität; Nachteile: Mehrarbeit, technische Unzulänglichkeit, Qualitätsverschlechterung.
Warum haben JournalistInnen diesen Beruf gewählt? Häufige Antworten: "Mission", "Selbstdarstellung"
Computer- und Internetkenntnisse sind für NeueinsteigerInnen nicht notwendig, aber gern gesehen.
JournalistInnen müssen vielseitig sein, es wird immer seltener, daß jemand z.B. nur Wirtschaft kann.
Bei großen Zeitungen wird noch in den Redaktionen gearbeitet, bei lokalen Medien kommt Arbeit am heimischen Computer oder Laptop vor.
Soziale Absicherung ist wichtig, weil ohne finanzielle Grundlage die Beeinflußbarkeit steigt.
ORF-MitarbeiterInnen sind finanziell gut abgesichert, auch freie MitarbeiterInnen sind auch sozialversichert.
2/3 der JournalistInnen sind von gesundheitlichen Problemen betroffen (Herz/Kreislauf, Magen, Bandscheiben-, Rückenschmerzen)
Männerdomänen in etablierten Medien: Politik, Wirtschaft, Sport
Frauen, die Karriere machen wollen, müssen die männlichen "Werte" übernehmen.
Frauenanteil im österreichischen Journalismus zwischen 1981 und 1992 um 8 % auf 24 % gestiegen.
Für ein Filmprojekt von StudentInnen werden AkteurInnen jeden Alters gesucht. Handlung ungefähr: Dreier-Wohngemeinschaft; ein Paar, eine lesbische Mitbewohnerin. Verbindendes Element sind gemeinsame Erlebnisse... Parodie.
Am 17. Dezember findet die LV im Hörsaal 2 statt, da Dr. Duchkowitsch im HS 1 habilitiert.
Journalismus und öffentliche Meinung hängen zusammen. Organisationen möchten auch die öffentliche Meinung beeinflussen, also kann die PR den Journalismus beeinflussen.
JournalistInnen bekommen direkt oder mit Umweg über Nachrichtenagenturen oder aus eigener Bearbeitung (Pressekonferenz) PR-Stoff.
Wenn die PR-Agentur mehrere Nachrichtenagenturen für sich "einspannen" kann, steigt die Chance, daß die "Meldung" in den Zeitungen abgedruckt wird, stark an.
Die Tageszeitung Hürriyet ("Freiheit") ist die größte unter den türkischen Tageszeitungen. Sie hat sogar eine internationale Ausgabe, die in Frankfurt gedruckt wird.
In der Türkei gibt es keine Pressefreiheit. Der Spruch in der linken oberen Ecke der Titelseite des Hürriyet bedeutet "Die Türkei gehört den TürkInnen". Es ist nicht möglich, Zeitungen in kurdischer Sprache oder auch nur Beschreibungen der Situation der KurdInnen erscheinen zu lassen.
Die Nachrichtenstrukturen werden immer komplexer, nicht einmal mehr die Zeitungen kennen sich komplett aus.
Die Kosten der Informationsbeschaffung werden von den Agenturen getragen, die Abnehmermedien zahlen einen pauschalen Preis, der sich auf viele solche verteilt und somit niedriger ist.
Agenturen stehen im Hintergrund, die JournalistInnen sind anonym.
Kriterien der Nachrichtenauswahl: kaum genau zu definieren. Immer wieder kommen "wichtig" und "interessant" vor.
Merkmale der Verständlichkeit
Ratschläge
Unterschied Verständlichkeit (statisches Merkmal des Texts) <=> Verstehen (dynamischer Prozeß)
Faktoren, die das Verstehen begünstigen: grafische Strukturierung, Wortfrequenz, Verhältnis von Verben zu Nomen, Satzlänge/Satzverschachtelung (Hauptsatz; eingeschobene Nebensätze unerwünscht; was im Satz zusammenhängt, sollte nicht mehr als um sechs Wörter oder zwölf Silben auseinandergezogen werden), Vermeidung der Satzmonotonie
Unarten:
Mögliche Vorgangsweisen, um LeserIn zu "fangen": Superlativ, Übertreibung, Wiederholung, Anlehnung an ein Zitat, Reim, Komik, ...
Vermeiden: Fremdwörter, Fachausdrücke, Begriffe aus Parallelsprache und Slang. Perfekt und Passiv. Demonstrativpronomen.
Die Dosierung der Stilmittel, Maschen oder Moden entscheidet über Klarheit und Qualität der Ausdrucksweise. Und diese entscheidet darüber, ob der Leser am Angelhaken bleibt oder auf das Geschreibsel pfeift.
Pressephoto
Bildreportage
Foto-Essay
Bildbeschaffung: Aus dem Archiv: billig, aber schnell veraltet; selbst machen: teuer; Gratisfotos: oft versteckte Werbung; Bildagenturen.
Fotos werden oft noch vor der Überschrift konsumiert. "Aufmacher-Bilder", Blickfang-Fotos sollten groß und im oberen Drittel der Seite sein.
Bildkombination: Ein Foto sollte immer dominieren, Bildfolgen mit gleich großen Bildern sind schlecht.
Positionierung von Fotos: Werbeumfeld beachten, wenn möglich die Werbung deutlich abgrenzen!
Bewegungen, Richtungen sollten zur Zeitungsmitte führen, weil dadurch ein "geschlossenes" Seitenbild erreicht wird.
Proportionierung: "Harmonisch": 3:5. "Extremformate" (unwichtiges wird weggeschnitten) erzeugen viel Aufmerksamkeit. Auf Abwechslung ist zu achten (klein, groß, hoch, quer ...).
Bild- und Textkombination: Kein Bild ohne Bildunterschrift, Legende sollte passen! Archivbilder sollten als solche gekennzeichnet werden. Fotos nicht überinterpretieren.
FotografIn entscheidet über den Moment des Abdrückens, Wahrheit des Bildes ist Wahreit der/s PhotographIEn.
Auswahl, was überhaupt fotografiert wird
Gestellte Fotos
Bildfälschungen
Recherche: Beschaffung und Absicherung von Informationen, die journalistisch verwertet werden.
Aktive R.: Personen finden, mit deren Hilfe eine Fragestellung geklärt werden kann. Agenturmeldungen verfolgen, Konkurrenzmedien konsumieren
Passive R.: Anrufe von InformantInnen in der Redaktion, Information, die "zugeschoben" wird
Wichtig: Methodisches Recherchieren.
Häufiger Fehler: in die Breite statt in die Tiefe recherchieren.
Grundsätzliche Haltung des/r JournalistIEn: skeptisch, neugierig.
Sehenswert: Neue GruWi-Homepage
Zeitungen werden erst durch ihr eigenes Layout zum Markenprodukt. Die LeserInnen müssen auf den ersten Blick "ihre" Zeitung in der Trafik oder am Zeitungsstand erkennen. Dabei ist Kontinuität notwendig, es darf keine großen plötzlichen Änderungen geben.
Es wird auch bei Tageszeitungen immer mehr mit Farbe gearbeitet.
Eine neue Zeitschrift, die auf den Markt kommt, kommt zuerst als "Dummy" aus. Daran kann geprüft werden, ob das Layout angenommen wird.
Zeitschriften werden "nach einem Layout" geschrieben, die RedakteurInnen bekommen von den GrafikerInnen fixe Rahmen, die sie mit ihrem Text füllen dürfen.
Einfache Form der Heftkonzeption, alle Artikel visuell gleichwertig, kein erkennbarer Höhepunkt
Dramaturgiemodell, ideal für monothematische Zeitschriften. Titelgeschichte in der Mitte, am "Scheitelpunkt" und soll zum Kauf anregen. Ein- und Ausstieg mit "Standardseiten".
Unterteilung in verschiedene Rubriken. Jedes Segment ist ein eigener Teil mit einem eigenen Aufmacher. Besonders geeignet für multithematische Konzeptionen (z.B. Illustrierte). Bietet ein Höchstmaß an Abwechslung und Übersichtlichkeit, ist jedoch in der Praxis kaum in Reinform möglich.
Gelb und Rot vorherrschend (Assoziation mit monarchischen Themen), Photos übertrieben farbig (Gegensatz zum tristen Alltag).
Einige Zeitschriften haben eine eigene typische Randfarbe, die jedeR kennt.
Wichtig u.a. für die Ausrichtung der Bilder.
Zwei Spalten: für literarische Texte
Drei Spalten: journalistische Texte
Vier Spalten: erinnert an Tageszeitungen
Die Reichweite der Zeitungen bei Jugendlichen nimmt ab, diese versuchen daher, durch Jugend-Beilagen gegenzusteuern.
Die LeserInnen legen großen Wert auf die Übersichtlichkeit der Zeitung. Die meisten bevorzugen kürzere Meldungen; aber wenn sie zu kurz sind, sehen die LeserInnen lieber die Fernsehnachrichten.
Die Änderung des Namen hat zu Verwirrung geführt, viele Leute wissen nicht um die Kontinuität.
Die alte Ausgabe hatte zwei (manchmal ungleich breite) Spalten. Die Inserate wurden zu einem Block zusammengefaßt.
Nach der Neugestaltung wurde der Flattersatz in Blocksatz, die Schrift aus einem Serifen- in eine Nicht-Serifen-Schrift umgewandelt.
Printmedien verwenden mindestens 19 verschiedene textbasierte Darstellungsformen.
Tatsachenorientierter, aber persönlich gefärbter Bericht. Handlungen sind das typische Merkmal, sie sollten nicht abstrahiert werden. ("sich zu den Betroffenen in den Rollstuhl setzen") Spannender Stil notwendig. Wechsel der Perspektive: einmal von außen, dann wieder von innen. Wechsel der Aktualität (latent aktuell/aktuell). Wechsel formaler Mittel.
Definition schwierig. "Darstellungsform zur Beschreibung der komplexen Gesellschaft", aber auch andere Definitionen. (Feature = Gesichtszug, wesentlicher Zug, charakteristisches Merkmal)
Das Feature geht mehr in die Tiefe als die Reportage. Wechselspiel zwischen ReporterIn im Geschehen, geschichtlichem Abriß, Zahlen, Daten, Fakten, Zitaten, usw., Schlußfolgerung.
Klassische Form des Kommentars. Heute oft im Inneren der Zeitung.
Polemischer Kommentar <=>Analysierender Kommentar
Die Schlußfolgerungen, die gezogen werden, müssen optimal argumentiert und sofort erkennbar sein.
BerühmteR PublizistIn schreibt teilweise völlig vom Blatt unabhängig.
In Tageszeitungen haben die Nachrichten den größten Raum.
Hard News: Politik, Wirtschaft ... Informieren unpersönlich und sachlich, "hart".
Soft News: nicht so sachlich, sondern persönlicher formuliert, nicht immer nach Wichtigkeit der Information geordnet; vor allem in Boulevardzeitungen. Sie werden auch "human-touch"-Nachrichten genannt.
Aufbau einer Nachricht: Das wichtigste zuerst ("Lead"), das weniger Bedeutende hinten.
soll den LeserInnen Appetit auf den Artikel machen, Aha-Einstieg ("Das hat uns gerade noch gefehlt!")
Nicht nur eine kurze Nachricht, sondern viele Nachrichten in einem Zusammenhang: Bericht.
Bericht könnte als ausführlichere Variante der Nachricht gesehen werden; Objektivität steht an erster Stelle.
Aufbau ähnlich wie bei der Nachricht.
In Berichten kann auch auf Zusammenhänge zugewiesen werden, aber diese dürfen nicht in subjektive Kommentare überschlagen.
~ wird hauptsächlich in der Recherche eingesetzt, kann aber auch eine Darstellungsform sein.
"Das Spiegel-Gespräch": kein normales Interview, zwei JournalistInnen sitzen einer prominenten Person gegenüber und diskutieren mehr, als daß sie nur befragen. Sie wollen die andere Person zu profilierten Aussagen zwingen. ("Inquisition") Autorisierungsrecht.
Regeln zur Autorisierung von Interviews: Gesprochene Sprache, die in Schrift umgesetzt wird, wird automatisch verändert. Vor dem Interview sollte eine Vereinbarung getroffen werden, ob das Umgesetzte noch einmal abgeändert oder zurückgezogen werden kann.
Wenn das Interview gekürzt wird, muß darauf geachtet werden, daß nur ganze Themenblöcke gestrichen werden und keine Aussagen ihren Sinn verlieren.
abgeleitet von feuille... Blatt, Blättchen
Beschreibt in der Regel "kleine" Einzelheiten des Tages in sehr subjektiver, also persönlicher Betrachtung.
Hauptsächlich im Kulturjournalismus üblich, kann aber auch über Sport oder Politik usw. handeln.
Bewertung künstlerischen Schaffens.
Kritik ist immer subjektiv, muß aber fachliche Kompetenz erkennen lassen.
Warum gehen Printmedien ins Internet?
Anforderungen: Vollständigkeit, Aktualität, erkennbare Identität, Interaktion zwischen LeserInnen (untereinander) und der Redaktion.
wirkt überladen, Werbung zu aufdringlich und auf der Seite verstreut. Design ähnelt der Printausgabe. Nur die wichtigsten Artikel, Agenturmeldungen.
Service: Online-Archiv kostenlos, betrifft aber nur Online-Artikel.
Links, Linkbörse der LeserInnen, Online-Umfrage ("Soll Jörg Haider zurücktreten?"), Chat jede Woche.
Ruhiges Design, übersichtlich, nur ausgewählte Artikel. Inhalt der aktuellen Printausgabe. Chat, Archiv (1 Jahr zurück, kostenpflichtig, Volltext). Links. Online-Umfrage. "User berichten aus aller Welt". Diskussion zu Profil-Berichten.
Derzeit provisorisch, "Service" für jugendliches Publikum, keine Artikel.
Durchlaufende Reuters-Nachrichten, "Navigator", Artikel: die wichtigsten Themen des Tages auf der Hauptseite, alle Artikel vollständig.
Service: Link-Tips zu Themen, Anzeigen.
Suche: aktuelle Ausgaben, Wochenrückblick gratis, Archiv kostenpflichtig.
LeserInnenbeteiligung: Umfrage zu KurierONLINE und Diskussion.
Erste Zeitung Österreichs im Internet.
Auf der ersten Seite die aktuelle Ausgabe überblicksmäßig. Alle Artikel auch online. "Schwerpunkt": Inhalt der Beilagen.
WebStandard: eigens fürs WWW; z.B. E-Mail-Adressen der wichtigsten PolitikerInnen sowie RedakteurInnen.
Layout komplett auf die Printausgabe zugeschnitten. Online-Abo gratis für AmerikanerInnen, sonst Abo notwendig.
Archiv komplett und gratis, außer der aktuellen Ausgabe.
Allgemein wird angenommen, daß die gedruckte Presse überleben wird.
Gedruckte Zeitungen sind für alle zugänglich, sehr billig und sie können überall hin mitgenommen werden. Zeitungen im Internet sind ein Nischenprodukt und sind nur eine Ergänzung der Printausgabe.
Lifestyle = Zeistgeist. Auch eine bestimmte Form des Journalismus.
Zuerst 1982 im Wiener: "Zeitschrift für Zeitgeist".
Kennzeichen: Unterhaltung, Information, Ratgeber. Politische Probleme werden bearbeitet.
Titelgeschichten handeln meist von Frau/Mann-Beziehungen, Sex, Erotik.
Hoher Anteil an Inseraten und PR-Artikeln.
Themen: Praktisch jede Geschichte, Aufarbeitung der Story entscheidet über Aufnahme ins Blatt.
Zeitgeistidentität: Schaffen des "In-group-Gefühls" als Marketingstrategie, LeserInnen sollen das Gefühl bekommen, Opinion leader zu sein.
Aktualität ist nicht wichtig, "aktueller Aufhänger" ist der Ersatz.
Unterhaltungswert sehr wichtig, Ereignis kann sogar in den Hintergrund treten.
"Hypen": Dramatisieren von Ereignissen über ihre Bedeutung hinaus.
Die "kleinen RedakteurInnen" haben sehr oft keinen direkten Zugriff auf gesicherte Daten wie Media-Analyse usw.
Daten basieren auf persönlichen Interviews. 1996 wurden 15887 Personen interviewt. Großes Problem: Self-Report-Daten.
Es wird nicht nach "genau gelesen", sondern nach "in der Hand gehabt" und "durchgeblättert" gefragt: für die Werbewirtschaft ist die erste Frage nicht so interessant.
WLK: Weitester LeserInnenkreis: Person, die in einem definierten Zeitintervall einen Medienkontakt hatte.
LpN: LeserIn pro Nummer
LpA: LeserIn pro Ausgabe
Reichweite: entspricht LpN oder LpA
Trends in Österreich:
Befürchtungen, daß das Lesen zurückgehen könnte. Denen widerspricht das Rieplsche Gesetz von der Medienkomplementarität.
z.B. Standard ist zuerst ohne Chronik, Sport und Kinoprogramm erschienen. Die LeserInnen haben das bemängelt, sodaß diese Rubriken sofort installiert wurden.
Nicht nur die unteren Schichten lesen die Krone, Reichweite in der untersten Bevölkerungsschicht sehr niedrig. 38 % der A-Schicht sind Krone-LeserInnen.
Zielebene: Publizistische Qualitätssicherung
Mittelebene: Redaktionsmarketing, Redaktions- und Medienmanagement.
Extrem wichtig: Vertrauen der LeserInnen in die Redaktion; LeserIn-Blatt-Bindung
(durch Service, Gewinnspiele usw.); Versuche, Rückmeldungen
zu enthalten; Einbeziehen der LeserInnen in die Produktion (problematisch).