VO+UE 5.6 (I) Markt- und Meinungsforschung - Dr. Fritz Karmasin
609460
1998-10-22
1998-11-12
1998-11-19
1998-11-26
1998-12-03
1998-12-10
1998-12-17
1999-01-14
1999-01-21
1998-10-22
Regelungen für Markt- und Meinungsforschung
ICC/ESOMAR International Code of Marketing and Social Research
Practice
Vertrauen sehr wichtig, deswegen ist ein "Kodex für
die Praxis der Markt- und Sozialforschung" notwendig.
Schutz vor Mißbrauch der Daten: Datenschutzgesetz
Verpflichtungen gegenüber InformantInnen
Alle schriftlich oder mündlich gegebene Angaben und Zusicherungen
müssen sachlich richtig und verbindlich sein und eingehalten
werden.
Anonymität der InformantInnen
Es dürfen keine Daten weitergegeben oder enthüllt
werden, die auf die interviewte Person schließen ließen.
Beispiel: Datenschutz
Der Kunde möchte die Ergebnisse einer Befragung von 116 ausgewählten
Industrieunternehmen auch in Form eines Datenfiles.
Die 116 Fälle sind das Ergebnis von Kontakten von 140 Adressen,
die vom Kunden vorgegeben worden waren.
Im Rahmen statistischer Fragen wurden die Branche, die MitarbeiterInnenzahl,
die Zahl der Standorte, das Bundesland, der Stromverbrauch bzw.
das Spannungsniveau und die Tatsache, ob eine Eigenerzeugungsanlage
für Strom vorhanden ist, erhoben.
Bei einer vollständigen Lieferung der Datensätze könnten
durch bivariate Auszählungen einzelne Unternehmen mit hoher
Wahrscheinlichkeit identifiziert werden.
Schon bei Vertragsabschluß muß dem Partner gesagt
werden, daß bestimmte Daten nicht geliefert werden.
Definitionen
Ermitteln von Daten: Erheben oder sonstiges Beschaffen
von Daten für eine Datenverarbeitung.
Verarbeiten von Daten: Erfassen, Speichern, Ordnen, Vergleichen,
Verändern, Verknüpfen, Vervielfältigen, Ausgeben,
Löschen von Daten in einer Datenverarbeitung.
Übermitteln von Daten: Weitergabe von Daten aus einer
DV an andere Personen als den Betroffenen, den Auftraggeber oder
einen Dienstleister; ist nur mit schriftlicher Erlaubnis des Betroffenen
zulässig.
Überlassen der Daten: Weitervergabe von Daten zwischen
Auftraggeber und Dienstleister oder zwischen Dienstleistern.
Entwicklung des Datenschutzes
nur auf automationsunterstützt verarbeitete oder gespeicherte
Daten anzuwenden!
ab 1945: Sammlung von Daten von Seiten des Staates und
der öffentlichen Hand
ab ca. 1965: Neue Möglichkeiten der Datenverarbeitung,
auch Ministerien und Institute konnten sie bekommen und verwendeten
sie zur Datenerfassung.
18. 10. 1978: Erstes Datenschutzgesetz in Österreich.
§ 1 DSG: Grundrecht auf Datenschutz
Jedermann hat Anspruch auf Geheimhaltung der ihn betreffenden
personenbezogenen Daten, soweit er daran ein schutzwürdiges
Interesse, insbesondere im Hinblichk auf Achtung seines Privat-
und Familienlebens hat.
Einschränkung des Grundrechtes: Beschränkungen dieses
Rechts sind nur zur Wahrnehmung berechtigter Interessen eines
anderen oder aufgrund von Gesetzen möglich. Auch im Falle
dieser Beschränkungen muß der vertraulichen Behandlung
personenbezogener Daten Vorrang gegeben werden.
§ 17(1) DSG: Berechtigung der Marktforschungsinstitute
zu Datenermittlung/Verarbeitung
... Daten dürfen von einem Rechtsträger (=Marktforschungsinstitut)
ermittelt und verarbeitet werden, sofern Inhalt und Zweck der
Datenverarbeitung in seinem berechtigten Zweck gedeckt sind.
(z.B. Erlangung eines Gewerbescheins)
Auskunftsrecht
Jedermann hat nach Maßgabe gesetzlicher Bestimmungen das
Recht auf Auskunft über:
- wer ermittelt und verarbeitet Daten über sie/ihn
- welche Daten ermittelt wurden
§ 18 DSG Überlassung von Daten durch Marktforschungs-Institute
Bei der Überlassung der Daten ist darauf zu achten, daß
die Datenbestände anonymisiert übergeben werden: d.
h. auf den überlassenen Datenträgern oder in den schriftlichen
Berichten dürfen weder der Name noch die Anschrift der Betroffenen
enthalten sein.
Mafo-Institute sind zwar in der Lage, die persönlichen Daten
mit den überlassenen Daten zusammenzuführen, dürfen
diese zusammengeführten Daten aber nicht weitergeben.
Weiters ist darauf zu achten, daß bei der Weitergabe von
Originalfragebögen der Betroffene nicht durch bestimmte Merkmalskombinationen
eindeutig identifiziert werden kann. (z.B. bei Firmeninformationen:
regionale Info, Umsatzkennzahlen, Ausbau des Maschinenparks..)
Wichtig: nie Namen und Adresse auf dem Originalfragebogen vermerken,
sondern in einer gesonderten Liste! Auf dem Fragebogen wird eine
(laufende) Nummer vermerkt, die Namen stehen in der Liste.
Verschwiegenheitspflicht: § 20 DSG
Alle MitarbeiterInnen des Unternehmens unterliegen der Verschwiegenheitspflicht.
§ 22 DSG: Registrierungspflicht
Jeder Auftraggeber bzw. Dienstleister hat bei der erstmaligen
Aufnahme einer Datenverarbeitung dem Datenverarbeitungsregister
seinen Namen, seine Anschrift und den berechtigten Zweck zur Eintragung
vorzulegen.
Marktforschung
Marktforschung ist das systematische Sammeln und Auswerten von
Daten.
Erste Frage, noch vor der eigentlichen Forschung: Was ist die
Grundgesamtheit?
Primäranalyse
Erste Sammlung und Analyse des Datenmaterials
Sekundäranalyse
Sekundäranalysen bestehen in der neuerlichen Auswertung eines
bereits vorliegenden Datenmaterials.
Das Datenmaterial kann publizierten Untersuchungen und Umfragen
oder amtlichen oder halbamtlichen Statistiken entnommen werden,
z.B. Volkszählungen, Betriebsstatistiken, Unfallstatistiken.
Mögliche Vorteile:
- niedrige Kosten
- Schnelligkeit
- anders nicht eruierbar (z.B. volkswirtschaftliche Daten)
Mögliche Nachteile:
- mangelnde Aktualität
- Unvollständigkeit
- mangelnde Vergleichbarkeit
- mangelnde Objektivität
- mangelnde Detailliertheit
- keine Angabe über Erhebungsmethode
Datenquellen nach Zugänglichkeit
1. Amtliche Statistiken (z.B. Statistisches Zentralamt - teilweise
auch per Internet): sehr zuverlässige und auch gut verwendbare
Daten.
2. Daten, die an Hochschulinstituten, bei Interessensverbänden,
bei öffentlich-rechtlichen Körperschaften gesammelt
werden (z.B. ORF-Teletest. Achtung, Daten von Hochschulinstituten
sind meist ziemlich alt!)
3. Daten, die aus den Untersuchungen von Meinungs- und Marktforschungsinstituten
stammen
4. Betriebsstatistiken, die von den Unternehmen zur eigenen Verwendung
geführt werden
Interne Datenquellen
- Buchhaltung
- Kostenrechnung
- Betriebsstatistiken
- Außendiensstatistiken
- Umsatz-, Auftrags-, Beschwerdestatistik
- Kundenkartei/-korrespondenz
Externe Datenquellen
- Amtliche Veröffentlichungen (ÖSTZA, Regierung)
- Internationale Organisationen
- Firmenspezifische Veröffentlichungen (Geschäftsberichte,
Prospekte)
- Messekataloge
- Medien (allgemein, branchen-/fachspezifisch)
- Kreditinstitute
- Adreßbüros
- Datenbanken/Internet
- Bibliotheken
- Marktforschungsinstitute
- Universitäten
1998-11-12
Stichproben
In der Markt- und Meinungsforschung werden Stichproben systematisch
gezogen.
Eine Stichprobe ist eine nach statistischen Kriterien angelegte
Untersuchung, bei der eine repräsentative Auswahl stellvertretend
für die Grundgesamtheit beobachtet wird.
Die Ergebnisse lassen sich mit einer berechenbaren Genauigkeit
auf die Gesamtheit projizieren.
Voraussetzung ist die Zufälligkeit der Auswahl - d.h. jedes
Teil der Grundgesamtheit muß dieselbe berechenbare Chance
haben, in die Stichprobe zu kommen.
Für die Media-Analyse ist die Grundgesamtheit ca. 6,6 Mio
ÖsterreicherInnen über 14.
Stichprobensystematik
- Abgrenzung der Grundgesamtheit
- Wahl des Erhebungsprinzips
- Vollerhebung
- Teilerhebung
- Festlegung der Auswahlbasis
- Nicht zufällige, bewußte Auswahl
- Wahl des Auswahltyps:
- Quotenverfahren
- Konzentrationsverfahren
- Auswahl aufs Geratewohl
- Zufallsauswahl ("Random-Verfahren")
- Wahl des Auswahltyps:
- Einfache Zufallsauswahl
- Geschichtete Auswahl
- Klumpenauswahl
- Sequentielle Auswahl
- Mehrstufige Auswahl
- Schneeballauswahl
Random - Zufallsgesteuerte Auswahl
InterviewerIn nimmt keinen Einfluß auf die Bestimmung der
Auswahleinheit
Wahrscheinlichkeitstheoretisches Modell: Berechnung statistischer
Fehlergrenzen möglich.
Angestrebt sind 75-80 % "Ausschöpfungsquote", also
Kontakt mit der ausgewählten Person.
- Auswahl erfolgt im Institut
- Exakte Vorgabe der Zielpersonen
- keine Möglichkeit der Substitution durch den/die InterviewerIn
- kein Einfluß der InterviewerInnen bei der Auswahl
- Chancengleichheit bei der Auswahl (Zufälligkeit gewahrt)
Gesetz der Großen Zahlen (Poisson)
In der Stichprobentheorie besagt dieses Gesetz, daß der
durch eine Stichprobe ermittelte Schätzwert mit wachsendem
Stichprobenumfang mit immer geringerer Wahrscheinlichkeit vom
wahren Wert der Grundgesamtheit abweicht.
Anders ausgedrückt: Mit wachsender Zahl unabhängiger
Wiederholungen eines Zufallsexperiments strebt die relative Häufigkeit
eines Ereignisses gegen den entsprechenden Anteilswert in der
Grundgesamtheit.
Normalverteilung
Wichtigste theoretische Häufigkeits- bzw. Wahrscheinlichkeitsverteilung
der statistischen Methodenlehre. Eingipfelig symmetrisch, nähert
sich von ihrem Maximum aus relativ schnell der X-Achse, ohne sie
jedoch zu erreichen. Sie wird bestimmt durch ihr arithmetisches
Mittel und ihre Varianz.
Mittlere Abweichung (Standard-Fehler, Standardabweichung)
Das Vertrauensintervall kann mit der folgenden vereinfachten Formel
berechnet werden:
p: ermittelter Wert in Prozent
n: Samplegröße bzw. Zahl der Fälle
Vertrauensintervall (Konfidenzintervall, Schwankungsbreite)
Bei normalverteilten Daten kann mensch von den empirisch erhobenen
Daten auf die Merkmalsausprägung der Grundgesamtheit schließen.
Es werden für den ermittelten Wert Schwankungsbreiten berechnet,
in denen der Wert in der Grundgesamtheit mit einer bestimmten
Wahrscheinlichkeit (Signifikanzniveau) liegt.
Schwankungsbreite unter Berücksichtigung des Endlichkeitsfaktors
Wenn die Stichprobe mehr als 0,1 % der Grundgesamtheit ausmacht,
wird das Ergebnis der Schwankungsbreite noch mit dem Endlichkeitsfaktor
multipliziert. Dadurch wird der Wert der Schwankungsbreite geringer.
.......N:
Grundgesamtheit, n: Umfang der Stichprobe
Das ist dann einflußreich, wenn die Stichprobe ziemlich
"groß" in Vergleich zur Grundgesamtheit ist, also
z.B. die Hälfte oder ein Drittel.
Sinn dieser Berechnungen
Würde die Media-Analyse mit nur 500 Personen durchgeführt
werden, wäre die Ungenauigkeit zu groß. Z.B. hätte
die Presse 0,8 bis 8,8 % Reichweite
Die Media-Analyse arbeitet deshalb mit ca. 16.000 Fällen.
Hier sind die Schwankungsbreiten schon sehr klein: z.B. 0,4 %
für die Presse.
Signifikanz - Unterschiede zwischen Stichproben auswerten
Es kann errechnet werden, ob die Unterschiede von Untergruppen
der Stichproben (z.B. Frauen <=> Männer) nur zufällig
oder "signifikant" sind ("einen Grund haben")
Angewandte Auswahlverfahren
- Reine Zufallsauswahl
- Systematische Zufallsauswahl
- Endnummernverfahren
- Meßverwahren
- Geburtstag
- Geschichtete Stichprobenverfahren
- Proportionale Stichprobe
- Disproportionale Stichprobe
- Mehrstufige Auswahl
- Klumpenstichprobe
- Flächenstichprobe
- Quotenstichprobe
- Schneeballverfahren
Quota - Bewußte Auswahl
InterviewerIn bestimmt die Auswahleinheit anhand vorgegebener
Sollstrukturen selbst.
"Verkleinertes Abbild der Grundgesamtheit"
Empirisches Verfahren: Für die Berechnung statistischer Fehlergrenzen
fehlt die Grundlage.
1998-11-19
Mindestgröße von Stichproben
Eine Stichprobe soll umso größer sein,
- je heterogener die Grundgesamtheit ist
- je höher der geforderte Sicherheitsgrad ist
- je größer das Untersucungsgebiet ist
- je kleiner die kleinste Teilgruppe ist, über die mensch
noch verläßliche Daten wünscht
Media-Analyse
Grundgesamtheit: Personen ab 14 Jahren in Privathaushalten
Samplegröße: 15.500 Personen
Sampling: Mehrstufige, geschichtete Random-Auswahl, disproportional
nach Bundesländern, pro Samplepoint 5 Adressen
Geschichtete Stichprobenverfahren
- erfordern systematische und übersichtliche Anordnung
der Grundgesamtheit
- jedes Teilchen muß verfügbar und in gleichem Maße
zugänglich sein
- In der Praxis Modifikationen:
- Proportionale Stichprobe:
- Sample wird in Untergruppen (Schichten) eingeteilt
- Der Anteil der Schichten im Gesamtsample entspricht dem Anteil
dieser Schicht an der Gesamtpopulation
- Mensch benützt allgemein zugängliche Informationen
über die Struktur der Gesamtpopulation (z.B. 1. Bundesländer,
2. Ortsgrößenklassen)
- Disproportionale Stichprobe: wird verwendet, wenn für
die Analyse wichtige Teilstichproben zahlenmäßig unterbesetzt
sind, sodaß über diese Gruppe keine statistischen Aussagen
getroffen werden können.
- Beispiel Media-Analyse: Bei proportionaler Verteilung gäbe
es in Wien 3200 Interviews, im Burgenland ca. 550. 3200 ist schon
"zu viel" oder mehr als genug; 550 sind etwas zu wenig.
Also werden in Wien z.B. nur 2.000 Interviews durchgeführt,
und im Burgenland 1.000. Nachher werden die Daten natürlich
wieder auf die proportionale Verteilung zurückgerechnet.
(z.B. Marktanteil einer burgenländischen Zeitung)
"Vorschichtung": Grundgesamtheit in bekannte
Untereinheiten teilen (z.B. 21 % der Stichprobe müssen WienerInnen
sein). Dadurch ist die Stichprobe exakter, aber auch das Handling
einfacher.
Mehrstufige Auswahl: Versuch, die Zufälligkeit der
Auswahl in mehrere Stufen aufzuteilen. Die Grundgesamtheit wird
in möglichst homogene Kleingruppen geteilt. Von diesen Kleingruppen
werden zufällig "Sample Points" (z.B. Wohnhäuser
oder Dörfer) gewählt. In diesen Sample Points werden
dann z.B. 5 BewohnerInnen fürs Interview ausgewählt.
Ausschöpfungsquote: Anteil am Gesamt-Adreßmaterial,
das in erfolgreiche Interviews (Netto-Interviews) umgewandelt
werden konnte.
Systematische Auswahl für ein (z.B.) 5er Sample: nur
korrekt, wenn die Homogenität innerhalb der Sample Points
gegeben ist.
Random Root-Verfahren
Wenn mensch keine Adreßlisten zur Auswahl hat, wird eine
detaillierte Abbildung eines Wahlsprengels erstellt. Dort wird
ein zufälliger Startpunkt gewählt und eine Route vorgegeben
(z.B. Haus 3, 7, 11 usw.). Je nach Anzahl der Wohnungen im Haus
wird dann eine Wohnungsnummer ausgewählt.
1998-11-26
Quotenstichprobe
Grundüberlegungen:
- mensch weiß, wie sich die Gesamtheit zusammensetzt
- daraus lassen sich Quotenmerkmale eruieren
- (nur die, die wichtig erscheinen)
- je differenzierter die Quoten, umso besser
- Auswahl durch die/den InterviewerIn (subjektive Auswahl)
- für die Berechnung statistischer Fehlergrenzen fehlt
die theoretische Grundlage
Vorteil: Preisgünstiger (nur die Personengruppe definieren,
aus der "vor Ort" ausgewählt wird)
Beurteilung der Qualität einer Quotenstichprobe
Folgende Nachweise sind erforderlich:
- die sekundärstatistischen Quellen und Verteilung der
Quotenmerkmale (möglichst in Zellen für Merkmalkombinationen)
- die Erfüllung der Quotenvorgabe durch Soll-/Ist-Vergleich
der Quotenmerkmale
Vorgangsweise:
Auch hier wird nach der selben Methode wie bei Random-Stichproben
ein Gebiet definiert. Die InterviewerInnen bekommen einen Quotenplan
(z.B. 4 Männer, 6 Frauen, 2 Beamte usw.). Dieser Plan ist
anfangs leicht zu erfüllen, kann aber am Ende problematisch
werden (18jährige PensionistInnen...).
Großes Problem beim Quotenverfahren: Ständige Überprüfung
aller Schritte notwendig.
LAE - LeserInnen-Analyse EntscheidungsträgerInnen
Zuerst werden vier Berufgruppen definiert (Selbständige,
leitende Angestellte, leitende Beamte, Freie Berufe).
Die notwendige Kategorie der EntscheidungsträgerInnen würde
Zufallstichproben mit ca. 50.000 Interviews erfordern, das ist
aber undurchführbar. Stattdessen wird genau definiert, wie
viele Betriebe welcher Größe in welchen Branchen auf
Zielpersonen überprüft werden.
Aufgabe in der Vorlesung: Anhand einer Stichprobe von ÄrztInnen
(aus dem Telefonbuch) feststellen, wie viele männl/weibl.
und wie viele in einzelnen Bezirken
1998-12-03
Checkliste/Briefing
- Ausgangssituation (z.B. allg. Marktlage, Position des Unternehmens,
der Konkurrenten)
- Marketingzielsetzung, Marktforschungszielsetzung (Entscheidungssituation,
Informationsbedarf)
- Zielgruppe (der Entscheindungssituation, der Studie)
- Erhebungsmethode
- Stichprobe (ideal/minimal)
- Themenkatalog (erwartete Informationen)
- Kontaktpersonen (beim Auftraggeber, beim Institut)
- Unterlagen vom Unternehmen (z.B. Testvorlagne, Produkte)
- Form der Berichtslegung (mündlich, schriftlich, Datenband)
- Timing
- Kontrollwünsche
- Möglichkeit der Teilnahme am Interviewerbriefing
Ausgangssituation
z.B. Gibt es Nischen/Lücken am Markt? (Je sicherer dies erfaßt
wird, desto besser sind dann die Ergebnisse)
Marketingzielsetzung
Was will der Auftraggeber? (Das muß er selbst wissen!) "Ich
erwarte mir eine Mindestauflage/reichweite von X %"
Stichprobe
Empfehlung: minimal/maximal/ideal
Themenkatalog
die erwartete Information wird in Zahlen umgesetzt
Die schlimmsten Fehlerquellen eines Marktforschungs-Projektes
- Fragebogenerstellung und Durchführung des Interviews
Bei der Konzeption des Fragebogens muß davon ausgegangen
werden, daß dieser in 30-40 Minuten ausfüllbar sein
muß, weil die befragten Personen nach dieser Zeit ermüden.
- Nicht oder falsch gestellte Fragen können nicht mehr
repariert werden!
- Die Zuverlässigkeit des Interviewers ist einer der wichtigsten
Faktoren in der Marktforschung!
Gütekriterien
Validität (Gültigkeit, materielle Genauigkeit)
Mißt das Meßinstrument tatsächlich das Merkmal,
das man messen will?
Sind die Meßwerte auf Unterschiede der Individuen in Bezug
auf das zu prüfende Merkmal zurückzuführen ("true
score") oder auf Eigenheiten der verwendeten Meßmethode?
Validitätsprüfung: Außenkriterium (condurrent
validity): ein externes Merkmal, das in engem Zusammenhang mit
dem zu messenden Merkmal steht, wird zur Validierung herangezogen.
Z.B. Einstellungen zu bestimmter Marke gemessen am Einkaufsverhalten.
Hypothesen zur Validität von Marktforschung
- Je schwächer die interessierenden Sachverhalte von den
Befragten erlebt werden, desto geringer ist die Validität
- Je mehr die Befragten inhaltlich überfordert werden,
desto geringer ist die Validität (z.B. Fremdwörter)
- Je mehr die Fragen den persönlichen Bereich betreffen,
desto geringer die Validität
- Je mehr Personen dem Interview beiwohnen, desto geringer ist
die Validität (ideal: nur mit der interviewten Person reden,
sonst niemand dabei!)
Reliabilität (Zuverlässigkeit, formale Genauigkeit)
Wurde der Vorgang des Messens selbst korrekt durchgeführt,
liefert z.B. das Instrument bei der Handhabung weitgehend gleiche
Ergebnisse, ist es stabil gegen Zeiteinflüsse usw.?
Ein Meßinstrument ist unter konstanten Meßbedingungen
dann reliabel, wenn
- die Meßwerte präzise und stabil
- d.h. bei wiederholter Messung reproduzierbar sind
Reliabilitätsprüfung
Ein Fragebogen ist zuverlässig (reliabel), wenn
- das zu untersuchende Merkmal
- bei wiederholter Untersuchung
- in geringem zeitlichen Abstand
- in gleicher Weise ausgeprägt ist.
Kennwert: Reliabilitätskoeffizient ru
Hypothesen zur Reliabilität von Marktforschung
- Je unterschiedlicher die Bedingungen der Befragungssituation
sind, desto geringer ist die Reliabilität
- Je länger ein Interview dauert, desto geringer ist die
Reliabilität
- Je weniger von technischen Aufzeichnungsmöglichkeiten
Gebrauch gemacht wird, desto geringer ist die Reliabilität
- Je schwieriger das Interview ist (z.B. durch freie Verhaltensbeschreibungen),
desto geringer ist die Reliabilität
- Je weniger die InterviewerInnen geschult sind, desto geringer
ist die Reliabilität
Messen
"Messen besteht im Zuordnen von Zahlen zu Objekten, so daß
bestimmte Relationen zwischen den Zahlen analoge Relationen zwischen
den Objekten reflektieren."
Die Zuordnung muß eindeutig sein - logisch nur ein Einteilungsprinzip
Die Genauigkeit des Messens hängt nicht nur von der Eindeutigkeit
der Zuordnung, sondern auch von der Qualität des verwendeten
Meßinstruments ab.
Gebräuchlichste Instrumente: Skalen, Indizes, Tests
Indikatoren
Beobachtbare Sachverhalte, von denen auf das Vorliegen von nicht
oder nur partiell beobachtbaren Sachverhalten geschlossen werden
kann.
Indikatoren bestimmen also die Klasse der Bedingungen, die vorliegen
müssen, damit bestimmten Objekten bestimmte Begriffe zugeordnet
werden können.
Meßniveaus
Je nach Art der gemessenenVariablen und den Eigenschaften der
Zahlen, die empirisch interpretiert werden können, gibt es
4 Meßniveaus, die zu 4 Skalenarten führen:
- Nominalskala: qualitatives Merkmal, z.B. Ja/Nein-Frage, Haarfarbe
usw.
- Rangskala (Ordinalskala): "Mehr" und "weniger"
zuordenbar (z.B. Schulnoten). Keine Durchschnittsberechnung usw.
möglich!
- Intervallskala: Quantitatives stetiges Merkmal (z.B. Temperatur).
Kein "natürlicher" Nullpunkt vorhanden.
- Rationalskala: empirisch interpretierbarer Nullpunkt vorhanden
(z.B. Körpergröße, Einkommen)
1998-12-10
Prüfungen: 28. 1.; Anfang März
Statistische Auswertungsmethoden
| Skalenniveau | Deskription
Lage, Streuung
| Zusammenhang
Korrelation
| Prüfung von
Unterschiedshypothesen
| Beispiele |
| Nominal | Häufigkeiten, Modus, Kreuztabellen, Konfidenzintervalle
| 4-Felder-Korrelation (Phi-Koeffizient) | Chi-Quadrat-Test
Kontingenzanalyse
| Geschlecht
Bundesland |
| Ordinal | Median, Quartile, Quantile |
Rangkorrelation | Parameterfreie Verfahren (U-, K-W-Test)
| Rangreihungen, Präferenzzuordnungen |
| Intervall | Mittelwert
Standardabweichung
| Produkt-Moment-Korrelation
Regression | T-Test, Varianzanalyse, Multivariate Verfahren
| Temperatur (weil der Nullpunkt willkürlich ist)
|
| Rational | alle | alle | alle
| Länge, Gewicht, physikalische Messungen |
Mögliche Präsentation der Kategorien
- numerisch
1 2 3 4 5 6 7
- numerisch und verbale Markierung der Endpunkte
trifft zu ... trifft nicht zu
1 2 3 4 5 6 7
- graphisch-numerisch
- nur verbal - in Abstufung in eine Richtung
stimme voll zu
stimme teilweise zu
stimme mit großen Einschränkungen zu
- nur verbal - in Abstufung in beiden Richtungen
ganz ausgezeichnet - .... - ganz schlecht
- graphische Auflösung (wenn Abstufungen schwer verbalisierbar
sind)
z.B. stilisierte Köpfe: :-) bis :-(
Die Befragung - Bedingungen und Restriktionen
- durch die Art des angezielten Sachverhaltes
(bei Themen, über die mensch oft spricht oder die aktuell
sind)
- unterschiedliche kommunikative Kompetenzen
(BefragteR sollte sich nicht unterlegen fühlen)
- die Interviewsituation und der/die InterviewerIn
(Die Interviewsituation ist eine atypische. Die Antworten sollten
jedoch typisch sein, also die selben, die vom Individuum auch
im Gespräch mit persönlichen Bekannten geäußert
würden.)
- Beeinflußbare Befragte
- Nicht beeinflußbare Befragte
Für ein möglichst großes Publikum kommen nur Sätze
mit 10, höchstens 15 Wörtern in Frage; die Sprache muß
an den Durchschnitt der Zielgruppe angepaßt sein.
Der Fragebogen hängt von der Erhebungsmethode ab.
Schriftliche Befragung
Vorteile:
- kostengünstig
- großer Personenkreis erreichbar
- kein InterviewerInneneinfluß
- keine InterviewerInnenorganisation notwendig
- räumliche Entfernung unwichtig
- BefragteR steht nicht unter Zeitdruck
- "Ventilfunktion" - wer nicht will, muß nicht
mitmachen, die undifferenzierte Gruppe wird ausgeblendet
- Anonymität garantiert
Nachteile:
- niedrige Rücklaufquote
- eingeschränkte Repräsentativität: Bestimmte
Typen von Leuten füllen aus diversen Gründen keine Fragebögen
aus. Über diese Leute kann nichts ausgesagt werden.
- Adreßmaterial nötig
- beschränkter Fragebogenumfang
- Identität der Befragten nicht überprüfbar
- keine Vorlagen
- keine Verhaltensbeobachtung
- längerer Durchführungszeitraum
- Reaktionszeit nicht kontrollierbar
Univariate Statistiken
geben Überblick über ein Datenmaterial - Kennzahlen
Bivariate Statistiken
Jene Auswertungsverfahren, in denen zwei Variablen in Beziehung
gesetzt werden.
- Kreuztabulierung (Crosstabs)
- Um Zusammenhänge zwischen nominal und ordinal skalierten
Variablen darzustellen
- Merkmal kann mehr als zwei Ausprägungen annehmen
- Zellbesetzungen (Cells):
- Residuen sind ein Maß dafür, wie stark beobachtete
und erwartete Häufigkeit voneinander abweichen. Faustregel
für die Interpretation: Ein standardisiertes Residuum von
2 oder größer zeigt eine signifikante Abweichung der
beobachteten von der erwarteten Häufigkeit an. Diese Zellen
haben den größten Anteil am errechneten signifikanten
Zusammenhang.
- Kontrollvariablen (Layers)
- Statistiken (Statistics)
- Chi2-Test überprüft die Hypothese der
Unabhängigkeit zwischen den Zeilen- und Spaltenvariablen.
Den beobachteten Häufigkeiten werden die erwarteten gegenübergestellt.
Mensch berechnet die Abweichung dieser beiden Verteilungen unter
der Annahme der Nullhypothese, daß kein Unterschied besteht.
Zwei Variablen einer Kreuztabelle gelten als unabhängig,
wenn die beobachtete Häufigkeit der einzelnen Zellen mit
den erwarteten übereinstimmen. Chi2 ist nicht
eindeutig zu interpretieren, wenn in mehr als 20 % der Zellen
die erwartete Häufigkeit < 5 ist.
- Lambda gibt an, wie gut die unabhängige Variable die
abhängige vorhersagt (1 = 100 % Vorhersage, 0 = keine Hilfe
für die Vorhersage).
Korrelation
Bei diesem bivariaten Zusammenhangmaß gründet sich
die Berechnung auf die Bildung von Wertepaaren, die aus den zugrundeliegenden
abhängigen Stichproben gebildet werden.
Zur graphischen Darstellung eines solchen Zusammenhangs, kann
mensch ein rechtwinkeliges Koordinatensystem benutzen, dessen
beide Achsen den beiden Variablen entsprechen.
Intervallskalierte Daten: Pearsonsche Korrelation
Ordinalskalierte Daten (oder nicht normalverteilt): Rangkorrelation
nach Spearman
Mittelwertsvergleiche
- Frage, ob die beobachteten Mittelwertsunterschiede mit zufälligen
Schwankungen zu erklären sind oder ob tatsächliche,
signifikante Unterschiede zwischen den Ausprägungen in den
Stichproben vorhanden sind
- Vor einem Vergleich von Mittelwerten sind zu klären:
- Verteilungsform (Normalverteilung oder andere)
- ob die Mittelwerte aus einer abhängigen oder unabhängigen
Stichprobe stammen
- Skalenniveau der Variablen
- wie viele Stichproben miteinander verglichen werden sollen
- Varianzhomogenität/-heterogenität
- Intervallskalierte, normalverteilte Variablen
Anzahl der zu
vergleichenden
Stichproben
| Abhängigkeit | Test |
| 2 | unabhängig | t-Test nach Student
|
| 2 | abhängig | t-Test für abhängige Stichproben
|
| >2 | unabhängig | einfache Varianzanalyse
|
| >2 | abhängig | Einfache Varianzanalyse mit Meßwiederholungen
|
Beispiel Briefing/Untersuchungskonzept
Ein Printmedienunternehmen möchte auch Radio machen. Die
Zielgruppe ist die selbe, wie die der Printausgabe (30-50 Jahre),
aber sie sollte durch das Radio auch erweitert werden.
Überlegen:
- welche weitere Informationen werden benötigt?
- erforderliche Annahmen, möglichst detailliertes, realistisches
Untersuchungskonzept (Methodik, Dimensionen, Stichprobe)
1998-12-17
Allgemeine Grundlegeln der mündlichen Befragung
- Nähe zum alltäglichen Frage-Antwort-Spiel
- Kein Dialekt
- Worte mit regionaler Bedeutung; muß im ganzen Befragungsgebiet
verständlich sein
- Kurze Worte, kurze Sätze (ca. 8 Worte), Sätze mit
geringem Komplexitätsgrad
- Vermeidung von Fremdwörtern
- Keine doppelten Verneinungen
- Konkreta gegenüber Abstrakta
- Persönliche gegenüber logischen Formulierungen
- Keine Suggestivfragen
- Keine Doppelinhalte/Implikationen
- Keine Erinnerungsfragen, die Fakten messen sollen
Tabuisierte Fragen
- Nicht nach dem Auftreten (dieses wird unterstellt), sondern
nach der Häufigkeit fragen
(z.B. "Wann haben Sie das letzte Mal die Schule geschwänzt?")
- Verallgemeinern (andere Leute praktizieren das auch): "Bei
der letzten Wahl waren außergewöhnlich viele Leute
verhindert, zur Wahl zu gehen: wie war das bei Ihnen?"
- Bagatellisieren: "Ab und zu passiert es, daß...
Ist es Ihnen auch schon passiert?"
- Allgemeine Antworten: z.B. Einkommen in relativ breiten Kategorien
statt genaue Beträge
- Suggestive Formulierungen: "Der Staat nimmt ja wirklich
genug Geld ein: Finden Sie nicht, daß man ab und zu die
Steuer betrügen sollten?"
- Kompliziertheit/Tabuisierung zugeben
"Es wird Ihnen vielleicht zudringlich erscheinen, aber
wir müssen diese Frage stellen, weil sonst unsere Untersuchung
nicht durchgeführt werden kann: Wieviel Prozent Ihres Einkommens
legen Sie monatlich auf ein Sparbuch?"
Direkte, indirekte und projektive Fragen
Direkte Fragen: sprechen direkt die Zieldimension an ("Haben
Sie das Buch XY schon gelesen?")
indirekte Fragen: der vordergründig erkennbare Frageinhalt
stimmt nicht mit dem eigentlichen Untersuchungszweck überein
projektive Fragen: "Glauben Sie, haben Ihre KollegInnen
das Buch schon gelesen?"
Offene/geschlossene Fragen
- Offene:
keine Antworten vorgeben, möglichst wörtliche Mitschrift
(z.B. "Welche Automarken sind Ihnen bekannt?")
Wichtiges Merkmal: spontane Reaktion der Befragten ("top
of mind is top of the market")!
Problem der Kategorisierung
- einfache geschlossene:
Antwortmöglichkeiten vorgegeben: z.B. "Ist Ihnen
Automarke X sympathisch? Ja/nein"
- komplexe geschlossene:
z.B. "Hier habe ich eine Liste mit verschiedenen Automarken.
Welche sind Ihnen besonders sympathisch? A B C D E (ankreuzen)"
- Skalierungen und Itembatterien: z.B. fünfstufige Skala
für fünf Automarken
Offene Fragen: Einstellungs- und Meinungsfragen
Anwendung: Erfassen von:
- Motivationen
- Werthaltungen
- Zielsetzungen
- Bestimmung von Bedeutungsumfängen
- Assoziationen
Vorteile:
- Fragestil entspricht der Alltagskommunikation
- Beleben das Gespräch
- Engen den Bedeutungsumfang nicht ein
- Aspekte können aufgedeckt werden, die der/die FragestellerIn
nicht berücksichtigt hat
- Sehr gut anwendbar bei hoher sprachlicher Ausdrucksfähigkeit
und großer "word fluency" deSR Befragten
Nachteile:
- Setzen voraus, daß dIeR Befragte die Begriffe kennt,
über die er/sie sprechen soll.
- Können Befragte verbal überfordern
- Große Versuchsleitereffekte möglich
- Komplizierte, langwierige Durchführung und Auswertung
- Teuer
Geschlossene Fragen
Der Versuchsperson wird das ganze Reaktionsspektrum bereits vorgegeben,
sie kann sich für eine oder mehrere vorgegebene Antwortmöglichkeiten
entscheiden.
Auswertung: Direkte Eingabe und Häufigkeitsauszählung
Vorteile:
- Steigern die Durchführung- und Interpretationsobjektivität
- Antwort erfolgt in einem Bezugsrahmen
- Erfassen jene Aspekte, die der Forscher bei einer gegebenen
Frage für relevant hält
- Befragte haben einen Überblick über mehrere Antwortmöglichkeiten
(können sich besser entscheiden)
- Alternativen, an die sich der/die Befragte nicht erinnert
(die nicht voll bewußt sind), gehen nicht verloren
- Verbale Ausdrucksfähigkeit (word fluency) hat wenig Einfluß
- Weniger aufwendig, unkomplizierter
- billiger
Nachteile:
- Gefahr der Simplifizerung oder tendenziösen Formulierung
- Nur Ergebnisse erfaßt, die mit diesem gegebenen Kategoriensystem
erfaßbar sind
- Gefahr der Bevormundung, v.a. bei einfachen Antworten
Aufgabenstellung
Beispiel Briefing/Untersuchungskonzept
Sie werden von einem Medienkonzern kontaktiert, der bisher
im Printmedienbereich verschiedene Titel (Hauptzielgruppe: 30-50jährige)
angeboten hat. Nun will er auch einen Radiosender betreiben, der
diese Zielgruppe, aber auch jüngere Personen ansprechen soll.
Dazu möchte er Ihre Unterstützung im Hinblick auf:
a) anfängliche Zielgruppendefinition und Positionierung
b) permanente Untersuchungen als Argumentationsgrundlage für
die Werbewirtschaft (der er Kombinationen für Print und Hörfunk
anbieten will)
- Welche weitere Informationen werden Sie im Briefing von
ihm benötigen?
- Treffen Sie alle erforderlichen Annahmen und erarbeiten
Sie ein möglichst detailliertes, realistisches Untersuchungskonzept
(Methodik, Dimensionen, Stichprobe)
Vorgangsweise
1. Grundgesamtheit definieren
- Radio: Sendegebiet, technische Reichweite. Z.B. nur Wien und
umliegende Einzugsgebiete. => Grundgesamtheit => Anzahl
der Personen, die in die Hauptzielgruppe fallen
- Wo ist das Verbreitungsgebiet des Printmediums? (z.B. Abonnements
oder Stichprobenerhebung)
- Erhebung: für Vergleichbarkeit die Untersuchung und im
Hinblick aufs Radio-Ziel mit 1000 Personen ab 14 Jahren durchführen
- Fragen: Medienverhalten, Freizeitverhalten, Vorlieben (Musik,
Marken...)
- Radiohörverhalten: Wann, wo. Fragen nach dem Tagesablauf,
Versuch, aufgrund dessen das Radiohörverhalten zu bestimmen
- Kernzielgruppe definieren: Zielgruppe der Zeitung + anzusprechende
Bevölkerungsgruppen
- Art der Erhebung: Telefonisch/mündlich. Stichprobengröße.
Methodische Begründung. Preis.
Zusätzliche Überlegungen: Bestehende Sender, andere
in Vorbereitung? Mit welchem soll konkurriert werden?
Bei der Prüfung abgeben: Entwurf für eine solche Erhebung.
Beispiel Briefing/Untersuchungskonzept
1999-01-14
Multivariate Analysemethoden
(Faktoren- und Clusteranalyse)
- Hypothesengenerierende (explorative) Verfahren
- Faktorenanalyse
- Clusteranalyse
- Multidimensionale Skalierung
- Korrespondenzanalyse
- Hypothesenprüfende Verfahren
- Varianzanalyse
- Regressionsanalyse
- Diskriminanzanalyse
- Conjoint Analyse
Allgemeine Zielsetzungen von explorativen Verfahren
- Entdecken von Zusammenhängen
- Datenreduktion / Reduktion von Komplexität / Auffinden
von Redundanzen
- Bündelung / Verdichtung
- leichtere Interpretierbarkeit
- graphische Veranschaulichung
Faktorenanalyse
- Anforderungen an die Daten
- eine Batterie von Items (z.B. Items des semantischen Differentials)
- Intervallskalierung (z.B. Schulnoten-Skala)
- Datenmatrix: Items x Testpersonen
- bzw. über die Personen aggregierte Matrix: Items x Objekte
(z.B. Marken); in den Zellen der Matrix stehen Mittelwerte
- Zielsetzung
- explorative Datenanalyse: Versuch, verborgene Strukturen aufzufinden
- Entscheidungen
- Wie viele Faktoren sollen extrahiert werden?
- Eigenwert-Kriterium (nach Kaiser)
- Scree-Test
- Wie sollen die Faktoren interpretiert werden?
- Beispiele
- In einem Pretest soll eine zu lange Itembatterie auf die wesentlichen
zugrundeliegenden Dimensionen reduziert werden
- Zuvor auf einem semantischen Differential skalierte marken
sollen im Faktorenraum positioniert werden, um eventuelle Marktnischen
abzuleiten
Der Computer wird angewiesen, aus den Originaldaten zu berechnen,
wie groß der erklärte Anteil der Varianz ist.
Ein Faktor soll nicht weniger Varianz erklären, als die Variable
selbst es tut.
Ein Screeplot stellt den "Eigenwert" der Variablen dar.
Die Originalfragen werden anhand der Korrelation mit den Einzelfaktoren
in Gruppen eingeteilt.
Clusteranalyse
- Zielsetzungen
- Gruppenbildung
- Bündelung von Variablen
- (Markt-) Segmentation
- Typenbildung (aufgrund soziodemographischer bzw. psychographischer
Merkmale)
- Anforderungen an die Daten
- metrisch oder nichtmetrisch
- Datenmatrix: Variablen x Fälle bzw. so wie bei der Faktorenanalyse
aggregiert über die Testpersonen Variablen x Objekte
- Entscheidungen
- Wieviele Cluster sollen gebildet werden?
- Elbow-Kriterium
- Homegenitätsmaß: die Cluster sollen in sich nicht
zu heterogen sein
- Durch welche Merkmale unterscheiden sich die einzelnen Cluster?
- Diskriminanzanalyse zur Bestimmung derjenigen Merkmale, die
signifikant zwischen den Clustern unterscheiden
- Beispiele
- Ein Hersteller von Limonade möchte wissen, in welche
Segmente der Markt der Softdrinks von den Konsumenten eingeteilt
wird, um daraus seine Positionierung abzuleiten
- Die Universität möchte wissen, welche Typen von
StudentInnen es gibt, um diese individueller betreuen zu können
Dendrogramm: Baumdiagramm, das den Fehler darstellt, den mensch
macht, wenn x Fälle zu einem Cluster zusammengefaßt
werden.
(Fehler: Cluster wäre zu heterogen)
Diskriminanzanalyse: Nach der Clusteranalyse werden die Cluster
anhand der Originalfragen unterscheiden
Literatur: Backhaus et al. (1994). Multivariate Analysemethoden.
Eine anwendungsorientierte Einführung. 7. Auflage. Berlin
u.a.: Springer Verlag
1999-01-21
Konzept eines Fragebogens zur Befragung von 14-29-jährigen
über deren Freizeitgestaltung und Mediennutzung
Wir führen zur Zeit eine Umfrage über Freizeitgestaltung
und Mediennutzung durch. Darf ich Ihnen dazu einige Fragen stellen?
Wenn ja
Wie alt sind Sie?
(...)
Konsumverhalten
Wie ist die derzeitige finanzielle Lage Ihres Haushaltes?
Wollen Sie im kommenden Jahr mehr/genausoviel/weniger für
Anschaffungen in Ihrem Haushalt ausgeben?
Programmwünsche
Erfüllen von Musikwünschen?
Berichte über Freizeitgestaltung?
Berichte über Filme und Stars?
Sportberichterstattung?
Berichte über Gel dund Wirtschaft?
Pop und Rock aus Österreich?
(...)
Den Befragten werden telefonisch Musikstücke vorgespielt.
Bitte bewerten Sie den eben gehörten Titel mit 1-10 Punkten.
Prüfkriterien zur Bewertung von veröffentlichten
Umfrageergebnissen
- Definition der Grundgesamtheit
- Stichprobengröße
- Auswahlverfahren
- Erhebungsmethoden
- Befragungszeitraum
- Genaue Fragestellung
- Durchführendes Institut
- Auftraggeber
- Bei Veröffentlichungen: In wessen Auftrag wurde das Ergebnis
publiziert
Vor jeder Untersuchung sollte eine sekundärstatistische Untersuchung
erfolgen, um vorhandenes Wissen zu nutzen, Grundgesamtheiten zu
definieren usw.
Projektionen sind Hochrechnungen, z.B. aus den Prozentsätzen
in der Untersuchung wird auf absolute Zahlen in der Grundgesamtheit
geschlossen.
© Balázs Bárány.
Quelle: Vorlesung von Univ.-Prof. Dr. F. Karmasin. Nicht autorisiert.
zuletzt geändert (JMT): 1999-10-01